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Roman

 
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
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... genießen, um sich dann drei Wochen in einem erstklassigen Wellnesshotel einzuquartieren. Ein paar Massagen und kosmetische Anwendungen würden Salbei für ihren Körper sein. Um ihren Gemütszustand würde sie sich nach ihrem letzten Auftrag kümmern. Sam trat die Zigarette aus und setzte ihren Weg zum Pub fort.

Erneut versuchte Sam es mit den dicken Zigarren. Sie biss ein Ende einfach ab und schnappte sich ein riesiges silbernes Tischfeuerzeug und zündete den teuren Tabak an. Angewidert verzog sie das Gesicht. Schmeckte immer noch nicht, aber besser als nix.
Mit der Zigarre im Mundwinkel trug Sam ihre Klamotten in die Waschküche. Sie stopfte sie in die Trommel und wählte ein Kurzwaschprogramm. Nackt schlenderte sie zurück in Summersby's Wohnzimmer und streckte sich auf der riesigen Couch aus. Sam hielt sich das schnurlose Telefon vors Gesicht. Bevor sie einschlief, musste sie Benedict informieren. Er machte sich sicher schon Sorgen, weil Sam sich seit Tagen nicht bei ihm gemeldet hatte. Er würde alles Nötige veranlassen, um Sam mit Summersby aus Italien hinaus zu schaffen. Sie tippte Benedicts Nummer.
Nach zweimaligen Klingeln meldete sich der Anrufbeantworter. ?Therapeutisches Zentrum Belinda Hammersfield. Falls Sie einen Termin vereinbaren wollen, drücken Sie bitte die 1. Wenn Sie nähere Informationen über unsere Therapieansätze und Erfolge benötigen, finden Sie diese auf unserer website www.hammersfield.com . Um eine Nachricht zu hinterlassen, sprechen Sie bitte nach dem Signal. Vielen Dank für Ihr Vertrauen.? Der Piepston erklang.
?Benedict, hier ist Sam. Ich hoffe, du siehst die Nummer im Display. Ich hab nämlich keine Ahnung, wie ...?
Ungeduldig unterbrach Benedict sie. ?Sag mal spinnst du. Ich hab seit Tagen nichts von dir gehört. Ich dachte, du bist tot. Unsere Auftraggeber sind ganz schön nervös und ...?
?Benedict, ich hab ihn.? Sam sprach mit leiser, zufriedener Stimme. ?Hast du mich vermisst? Komm, sag mir ein paar schmutzige Sachen, ich brauch noch etwas Entspannung, bevor ich einschlafe.?
Benedict atmete hörbar aus. Wütend fauchte er in den Hörer. ?Weißt du, wie das ist, sich um andere Sorgen zu machen??
?Bedauerlicherweise nicht. Was ist jetzt, sagst du mir was Nettes??
Benedict war völlig entnervt. ?Die Kinder??
?Alle tot.?
?Summersby??
?Lebt.?
?Wieso??
?Weil ich eine Idee habe.?
?Ich weiß nicht, ob mir das gefällt.?
?Komm Ben, sag mir was Nettes.? Sam fühlte sich leicht wie eine Feder. Sie schwebte auf dem Gefühl des Triumphes.
?Was ist das für eine Idee??
?Hm, erst was Nettes. Hast du mich vermisst??
Schweigen am anderen Ende der Leitung.
?Ben, ich hab's wirklich nötig. Jetzt ist zwar alles in Ordnung, aber ich hab ziemlich hässliche Dinge hinter mich bringen müssen, um jetzt mit dir zu telefonieren. Also, stell dich nicht so an.?
Ein Seufzen. ?Ich hab dich vermisst. Ich hab mir Sorgen gemacht. Um dich.?
?Danke. Wie schnell kannst du einen Flug organisieren? Sagen wir einmal für mich, als trauernde Witwe, und einmal für meinen verstorbenen Ehemann??
?Ich denke, er lebt.?
?Ja, und das soll auch so bleiben. Ich will ihn nur unauffällig außer Landes schaffen, da kann ich ihn wohl kaum neben mich setzen und im permanent in die Fresse hauen.?
?Im Sarg? Er braucht Sauerstoff. Wo willst du hin? Amerika??
?Jep, der Flughafen sollte in nächster Umgebung von Cestohowa liegen.?
?Was willst du denn da??
?Ich mag Rosen.?
?Sam.? Seine Stimme zitterte.
?Ich hab dich nicht um deine Meinung gebeten. Ich hab keinen Plan, wo ich bin. Wahrscheinlich in Summersby's Zuhause oder Ferienhaus. Ich kann Bäume sehen, aber keine anderen Häuser. Die Tür ist abgeschlossen. Ich könnte ein Fenster einwerfen, um rauszukommen. Die Hütte wird abgefackelt. Schick mir jemanden, der Summersby und mich von hier abholt.?
?Sam, ich ...?
?Seit wann diskutiere ich mit dir über meine Entscheidungen? Hast du die Nummer?? fauchte Sam in den Hörer.
Leise ?Ja?
?Gut, dann melde dich zu gegebener Zeit. Ich hau mich jetzt aufs Ohr, für? - Sam sah auf die Uhr über dem Kamin - ?ca. 3 Stunden.? Sie unterbrach die Verbindung.
Sie war wütend. Das sah Benedict ähnlich. Erst quengelte er so lange, bis Sam diesem Auftrag zugestimmt hatte. Und jetzt, wo sie es auf ihre Weise beenden wollte, spielte er ihr mahnendes Gewissen. Ungestüme Verärgerung überfiel Sam. Er war nicht dabei, wenn sie die Opfer tot oder lebend fand. Sam war es, die mit dem Blut der Mörder und Schänder bespritzt wurde, wenn sie sie in die Hölle schickte. Benedict wurde nicht von Albträumen geplagt. Sollte das Arschloch doch weiter in seiner scheinheiligen, kleinen Welt leben und den Moral-Apostel spielen. Sam hatte schon längst ihre Seele an den Teufel verkauft.
Wütend drückte sie die dicke Havanna auf der Glasplatte aus. Sie warf sich auf der Couch herum und blickte gegen den dunkelgrünen Veloursstoff der Rückenlehne. Drei Stunden Schlaf. Benedict würde es nicht wagen, sie vorher zu stören.

Sam trat aus dem Waldstück heraus und blickte auf den Ort Cestohowa hinunter. Sanft lief der Weg weiter durch Weideland und führte auf eine staubige Straße. Kleine Holzhäuser drängten sich um den Marktplatz. Sam sah eine Tankstelle, ein Schnellrestaurant und das schmutzigbraune Gebäude mit den großen Saloontüren - der Pub. Dick hatte ihn treffend beschrieben. Die rote Leuchtreklame war aus, aber selbst von Weitem war der Name unschwer zu lesen. ?DRINKPALACE?.
Unpassender konnte ein Name nicht sein. Der Name passte eher nach Vegas oder NewYork. Zumindest aber bürgte der Name für eine gewisse Größe. Laut Dick passten maximal 20 Personen in den Pub. Sam war neugierig, den größenwahnsinnigen Pub-Besitzer kennen zu lernen. Ihr Porsche war weit und breit nicht zu sehen. Gut, so hatte sie wenigstens noch Gelegenheit, sich ein wenig frisch zu machen.
Sam legte die letzten Meter in gelassenem Tempo zurück. Sie trat neugierig durch die große Saloontür und stand fast im Dunkeln. Der Pub war kaum beleuchtet. Leise Countrymusic dudelte durch den Raum. Die komplette Innenausstattung war in dunklen Holztönen gehalten, die auch schon bessere Zeiten erlebt hatte. Hinter der Theke stand ein dicker Mann. Unter seinen Achseln hatten sich riesige Schweißflecken auf seinem karierten Hemd gebildet. Zwischen seinen fetten Fingern drehte er ein Glas und ein Tuch. Aus seinem Mundwinkel hing ein Zahnstocher. Ungläubig starrte er Sam an.
Einige Tische waren mit Farmern mittleren Alters besetzt. Alle trugen Latzhosen und derbe Schuhe. Auch sie starrten Sam an, als sei ihr ein zweiter Kopf gewachsen. Sam blieb kurz in der Mitte des Raumes stehen und gab ihnen Gelegenheit, sie ausgiebig zu begaffen. An der Theke drehten drei Männer in Dicks Alter ihre Köpfe zu Sam. Ihre Blicke waren nicht ungläubig, eher neugierig-interessiert. Sam fragte den Wirt nach den Toiletten. Er deutete mit dem Glas in der Hand nach hinten. Sam folgte der angegebenen Richtung. Fast rechnete sie damit, einen Eimer vorzufinden, auf dem die Gäste ihr Geschäft verrichten mussten, aber sie wurde enttäuscht. Der Sanitärbereich war klein und alt, aber in Ordnung. Sam schätzte, dass er schon lange nicht mehr von einer Frau benutzt worden war. Im Waschbecken zogen sich rostige Spuren über das Porzellan und der Wasserhahn ließ sich nur schwer aufdrehen. Überall klebte eine dicke Kalkschicht.
Sam prüfte den Sitz ihrer Lockenmähne und puderte sich die glänzende Stirn und Nase. Das sollte genügend. Selbst mit nur einem Hauch Makeup wirkte sie hier wie ein exotischer Paradiesvogel.
Sam trat zur Theke. Das aufgeregte Gemurmel verstummte schlagartig, als sie den Schankraum betrat. Sie ließ zwei Barhocker zwischen den drei Männern frei und setzte sich hin. Der Wirt starrte ihr ungeniert ins Dekolletee.
?Bekomm ich hier was zu trinken??
Der Wirt polierte immer noch heftig das Glas zwischen seinen Fingern und zog fragend die Augenbrauen hoch.
?Whisky? orderte Sam. Er hielt das Glas unter eine von den zahlreichen Whiskyflaschen, die von dem Balken über der Theke hingen. Unsicher schob er das Glas über die glattpolierte Theke Sam zu.
Sie trank das Glas mit einem Zug aus. Der Whisky war wirklich gut. Er brannte kaum und schmeckte entfernt nach Vanille und Eichenholz. Sam schob das leere Glas zurück.
?Noch einen, bitte.?
Die drei Männer steckten aufgeregt tuschelnd die Köpfe zusammen. Schließlich löste sich einer aus der Gruppe und trat auf Sam zu. Aha, dachte Sam, erste Kontaktaufnahme mit den Eingeborenen. Er reichte Sam das gefüllte Glas. ?Du bist nicht von hier??
Sam betrachtete die goldene Flüssigkeit in ihrem Glas. Sie lächelte. ?Nein, ich besuche nur einen Freund.?
Der Mann stand unschlüssig schweigend herum. Einer seiner Kumpels stupste ihn an. Sam besah sich die drei näher. Sie sahen aus, wie ehemalige Footballspieler. Alle drei von gedrungener kräftiger Statur mit auslandender Kinnpartie. Der einzige Unterschied bestand in ihrer Haarfarbe. Strohblond, mittelbraun und tiefschwarz. Sie trugen Bluejeans und enge T-Shirts, die ihre muskulösen Oberkörper gut in Szene setzten. Wahrscheinlich hatten sie ihre Highschool-Schnallen angebumst und saßen frustriert jeden Abend in diesem Pub und malten sich aus, was aus ihnen geworden wäre, wenn sie ihren Lümmeln ein Regenjäckchen angezogen hätten.
Die drei wurden zutraulicher und umringten Sam. Sie musterte sie aufmerksam. ?Und, wer seid ihr? Die Marx-Brothers?? Sam trank ihr Glas aus und hob es kurz hoch. Der Wirt beeilte sich, es erneut zu füllen.
Der Schwarzhaarige lehnte sich lässig gegen die Theke. ?Nein, ich bin Jo, der Blonde ist Tom und das Riesenbaby da heißt Mike.?
Sam drehte sich auf ihrem Barhocker um und stützte die Arme auf die Theke. ?So, Jo, Tom und Mike. Seid ihr das hiesige Empfangskomitee??
Die drei grinsten und orderten vier Whisky beim Wirt. Der Dicke brummte etwas Unverständliches und stellte drei Gläser und eine Flasche vor sie hin.
Jo schien der Wortführer des Trios zu sein. ?Welchen Freund besuchst du denn??
Sam griff nach ihrem Glas. ?Robert Marshall.?
Die drei lachten ungläubig. ?Crazy Dick? Du machst 'nen Witz?? Das Riesenbaby klopfte sich laut gröhlend auf die Schenkel.
Sam zog ihre Jacke aus und legte sie auf einen freien Barhocker. Jo und Tom musterten sie sofort gierig. Mikes Blick blieb gebannt auf Sam's Busen geheftet.
?Vorsicht Süßer, sonst lass ich sie raus.?
Jo und Tom wieherten vor Lachen. Mike schloss beleidigt den Mund.
Immer noch lachend füllte Jo ihre Gläser. ?Mal im ernst. Was will eine Braut wie du von unserem Crazy Dick??
Sam bedankte sich für den Whisky. ?Wieso nennt ihr ihn Crazy Dick??
Tom beugte sich näher zu ihr. ?Na, weil er total plemplem ist. Der hat noch nie was mit 'ner Frau gehabt. Lebt total zurückgezogen im Wald. War der absolute Überflieger in der Schule. Hätte mit Stipendium an jeder Universität des Landes studieren können, aber nein, unser Sensibelchen traut sich ja nicht raus.?
Er kippte den Whisky hinunter. Sofort griff Jo das Thema auf. ?Der ist noch Jungfrau. Scheiße, der hat den Tripp vom Abschlussball bis heute nicht verdaut.?
Die drei prosteten sich zu und riefen ?Hau weg?. Mit weit zurückgelegtem Kopf stürzten sie den Whisky hinunter. Sam ließ es etwas langsamer angehen. Die drei waren sicher gut im Training, im Gegensatz zu Sam.
?Welchen Tripp?? wollte Sam wissen und füllte ihre Gläser auf.
Jo rückte noch näher heran. Sam ließ es zu.
?Er war mit dem schönsten Mädchen der Stadt zum Abschlussball verabredet. Sie hatten echt gute Chancen, Ballkönigin und Ballkönig zu werden. Kurz vor der Verkündung wurde Dick plötzlich schlecht. Sandy begleitete ihn hinaus an die frische Luft. Was dann passierte, weiß keiner so genau. Wahrscheinlich ist ein Irrer vorbeigefahren. Er fuhr Dick über den Haufen und lud die beiden ins Auto. Crazy Dick wäre beinahe drauf gegangen. Am nächsten Tag fand man ihn bewusstlos im Graben. Er hatte ne Kugel im Bein und zahlreiche Prellungen am ganzen Körper. Er konnte sich an nichts erinnern. Sandy ist niemals gefunden worden.?
Tom beeilte sich mit der Fortsetzung. ?Sandys Freundin wusste, dass die beiden es in dieser Nacht tun wollten.? Er kicherte anzüglich. ?Na ja, wir glauben nicht, dass er zum Schuss gekommen ist. Seitdem hat er nie wieder ne Freundin gehabt. Man sagt, er habe in seinem Haus einen Schrein aufgebaut. Das Foto von ihm und Sandy, das auf dem Abschlussball geschossen wurde, steht darauf.? Er zuckte die Schultern. ?Seit dem nennen wir ihn Crazy Dick.?
Sam wandte sich an Mike. ?Und, Riesenbaby, kannst du auch sprechen??
Mike grinste dümmlich und starrte weiter auf Sam's Busen. Er sprach langsam, als ob die Worte ihm Mühe bereiten würden. ?Das ist nicht gesund, sein Ding nicht zu benutzen. Das Zeug staut und wird schlecht.?
Jo und Tom schüttelten sich vor Lachen. Selbst Sam konnte sich ein Grinsen, ob solcher Logik nicht verkneifen. Na wartet, ihr falschen Schlangen. Ihr bekommt, was ihr verdient. Sam ließ sich vom Barhocker gleiten.
Jo strich mit einem Finger über ihren nackten Oberarm. ?Also, Baby. Du bis doch eine richtige Granate. Was meinst du, willst du nicht mit uns abgehen. Bei Crazy Dick ist nix zu holen.?
Sam winkte die drei mit ihrem Zeigefinger näher heran. Sie beugten sich brav zu ihr hin. ?Was, wenn ich euch verrate, dass mich Crazy Dick eben viermal zum Schreien gebracht hat.? Sie tätschelte dem fassungslosen Riesenbaby die Wange. ?Und sein Zeug ist nicht schlecht. Er schmeckt nach Karamell und Sahne.?
Betretenes Schweigen herrschte beim Trio. Sam leerte ihr Glas. Von draußen erscholl das tiefe Brummen des Porschemotors. Sam griff ihre Jacke. ?Danke für die Einladung Jungs.? Mit diesen Worten und wippenden Hüften trat sie nach draußen. Dick hielt mit quietschenden Reifen vor der Tür. Sam schlenderte um den Porsche herum und ließ ihre Finger über die Karosserie gleiten. Neben Dick beugte sie sich herunter und flüsterte ihm zu. ?Spiel mit, lass uns den Arschlöchern den Rest geben. Sie glauben, du und ich, na ja, ich hab gesagt, wir haben's eben miteinander gemacht. Spiel mit, ja??
Sie legte ihm eine Hand in den Nacken und eine Hand auf seinen Oberschenkel. Langsam senkte sie den Mund auf seine Lippen. Zuerst dachte sie, er würde sie wegstoßen. Seine Lippen blieben hart und schmal. ?Sie schauen zu, verlass dich drauf.? Sprach sie gegen seine Lippen.
Beide schauten kurz zur Saloontür. Dahinter standen die Marx-Brothers und ein Teil der anderen Gäste. Sie glotzten ungläubig auf den Porsche, auf Sam und Dick. Endlich wurden seine Lippen weich. Sam küsste ihn leidenschaftlich. Er erwiderte ihren Kuss. Doch Sam kam es tatsächlich vor, als küsse sie eine männliche Jungfrau. Der Mann schien erstaunlich wenig Erfahrung zu haben oder er war ein lausiger Küsser. Mal sehen, ob sie da nichts gegen tun lässt. Sam's Finger glitten an seinem Oberschenkel hoch. Sie spürte seine Erregung. Gut, voll funktionstüchtig. Dicks Atem ging schneller, sein Kuss wurde fordernder.
Sam löste sich von ihm, winkte den Zuschauern zu und setzte sich auf den Beifahrersitz. ?Fahr los und mach ordentlich Wind.?
Dick grinste. Mit qualmenden Reifen hinterließ er eine dunkle Spur Gummi auf der Fahrbahn. Der Porsche machte eine schlingernde 180-Grad-Wendung und brauste los.
Außer Sichtweite stieß Dick den Arm in die Luft und lachte triumphierend. Sam betrachtete ihn nachdenklich von der Seite. Na, sollte er sich doch freuen, er hatte sicher lange genug unter den verbalen Attacken dieser Neandertaler gelitten.
Sam legte ihm eine Hand auf den Unterarm. ?Fahr ran.?
Dick steuerte den Wagen auf einen Feldweg. Sam sah zurück. Von der Straße aus waren sie noch zu sehen. ?Fahr ein Stück weiter.? Dick lenkte den Wagen gehorsam um die nächste Kurve und hielt an. Sam drehte sich zu ihm und sah ihn ernst an. ?Ich stell dir jetzt eine Frage und ich will, dass du sie ehrlich beantwortest, OK??
Dick sah sie misstrauisch an. ?Was haben dir die Typen erzählt??
?Ich werde merken, wenn du mich anlügst.?
Er sah Sam ernst an. ?Stell deine Frage.?
?Warst du jemals mit einer Frau intim? Hast du jemals mit einer Frau geschlafen??
Dick rutschte unbehaglich hinter dem Steuer hin und her. ?Ja und nein. Ich war schon mal mit einer Frau intim.? Er seufzte schwer. ?Aber das ist schon lange her.? Dann lächelte er entschuldigend. ?Ich hab noch nie mit einer Frau geschlafen. Krank, was? Jetzt weißt du, warum sie mich Crazy Dick nennen.?
Sam suchte mit ihren Augen seinen Blick. ?Willst du das ändern??
?Sehr witzig. In diesem Ort will keine Frau mit mir etwas zu tun haben. Und in der Stadt ... für Geld .... so hab ich mir das nicht vorgestellt. Herrgott, ich bin über dreißig und nicht schwul oder pervers. Ob ich das ändern will?? Trotzig verschränkte er die Arme vor der Brust. ?Ich würde mich anstellen, wie der letzte Idiot und das mit über dreißig. Die Angst, ausgelacht zu werden, nimmt mit jedem Jahr zu.? Resigniert hielt er den Mund.
Sam beugte sich zu ihm herüber und tastet seitlich am Fahrersitz nach dem Knopf. Surrend senkte sich der Fahrsitz nach hinten. Sam kletterte zu ihm herüber und sah ihn ernst an. ?Bei meinem ersten mal war ich noch ein Kind. Es war fürchterlich. Das erste mal sollte etwas Besonderes sein.? Als sie seinen ängstlichen Blick sah, beruhigte sie ihn. ?Keine Angst, ich fall hier nicht über dich her.? Sie sah sich um. ?Ich sprach von etwas Besonderem. Hast du eine gute Flasche Wein zu Hause??
Er sah sie verständnislos an und nickte langsam.
?Gut.? Sie nahm seine Hand und führte sie zu ihrer Brust. ?Kannst du dir vorstellen, mit mir zusammen zu sein??
Hastig zog er seine Finger zurück und entwandt sich ihrem Griff. ?Ich will keinen Mitleidsfick.?
Sam gab nicht auf. ?OK, versteh ich. Mir ist auch klar, dass - egal was ich sage - du mir etwas anderes nicht glauben wirst. Aber sieh es einfach mal pragmatisch. Was denkst du, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass du noch einmal eine Frau treffen wirst, die weiß, dass du unerfahren bist, dich nicht als Freak abstempelt, nicht schreiend wegläuft, sich nicht über dich lustig macht, sondern dir einen Weg aus deiner - zugegebenermaßen beschissenen - Situation anbietet??
?Gleich Null.?
?OK, und glaubst du mir, dass ich noch nie mit einem Mann zusammen war, ohne mir einen persönlichen Vorteil durch Sex zu erkaufen??
?Nein.?
?Dann lass es. Für mich wäre es auch wie das erste Mal. Ohne Zwang, ohne Profit.? Sam kletterte auf ihren Sitz zurück.
Dick verharrte in seiner liegenden Position. Er schwieg. Sam wartete geduldig. Sam konnte seine geflüsterten Worte kaum verstehen.
?Ich weiß nicht, ob ich kann.?
Sam krampfte es das Herz zusammen, als sie die Verzweiflung hörte, die in diesen Worten mitschwang.
?Du kannst. Vertrau mir.?
Leise surrend hob sich der Fahrersitz in eine senkrechte Position. Dick starrte stur durch die Windschutzscheibe. Sein Blick verlor sich im Nirgendwo. ?Du weißt nicht alles über mich.?
Sam lachte trocken. ?Wir kennen uns erst seit ein paar Stunden. Glaub mir, du weißt auch nicht viel über mich. Und vielleicht bist eher du es, der aus Mitleid mit mir ficken würde. Vielleicht würdest du auch einfach schreiend vor mir davon laufen.? Sam legte ihre Hand unter sein Kinn und zwang ihn, ihr in die Augen zu sehen. ?Wir helfen uns gegenseitig. Wenn es uns gefällt, verbringen wir ein paar entspannte Tage miteinander. Dann trennen sich unsere Wege.? Sie hob die Schultern. ?Kein Risiko. Keine Verpflichtungen.?
Dick grinste ihr verlegen zu. Fragend hob er die Augenbrauen. ?Haben wir einen Deal? Oder besser noch einen Pakt??
Sam's Arme überzogen sich mit Gänsehaut. Heftig rieb sie mit ihren Händen darüber. ?Sagen wir, wir helfen uns gegenseitig, OK? Mit Deals und Pakten verbinde ich keine schönen Erinnerungen.? Ihr Blick war eisig und Dick zuckte unwillkürlich vor ihr zurück.
Sam sah betroffen zu Boden. ?Entschuldige, aber auch in meinem Leben gibt es unschöne Erinnerungen.?
Dick startete den Motor. Er legte den Arm über Sam's Rückenlehne und sah nach hinten, während er den Porsche zurück auf die Straße lenkte. ?Dann haben wir uns wohl verdient.?
Sam hatte ihre Zweifel, ob der arme Dick eine blasse Ahnung davon hatte, wie lächerlich sich sein harmloser Spleen im Vergleich zu ihren düsteren Geheimnissen ausnahm. Sie zwang sich zu einem offenen Lächeln und strich ihm durch sein widerspenstiges Haar. ?Ist wohl Schicksal.?


Kapitel 18


Sam erwachte nach zweieinhalb Stunden Schlaf. Sie fühlte sich wie gerädert, aber die tiefe Erschöpfung war einer leichten Müdigkeit gewichen. Ein starker Kaffee würde die letzten Lebensgeister wecken. Doch vorher würde Sam sich davon überzeugen, dass ihr wertvolles Paket noch gut verschnürt war. Sam nahm das schnurlose Telefon mit. Summersby lag auf dem schwarzen Schieferboden, da wo Sam ihn zurückgelassen hatte. Sie überprüfte das Staubsaugerkabel. Alles in Ordnung. Sam ging zufrieden in die Küche und betrachtete entzückt den riesigen Kaffeeautomaten. Ein richtiges Profigerät. Espresso, Latte Macchiato, Capuccino - alles, was das Herz begehrte. Sam entschied sich für einen doppelten Espresso. Fauchend und zischend ergoss sich die dunkle Brühe in das weiße Porzellan. Sam schnupperte selig. Nichts roch so gut wie frisch gebrühter Kaffee.
Das Telefon schellte. Sam sah aufs Display und erkannte Benedicts Nummer. ?Alles vorbereitet??
Mürrisch reagierte Ben auf die barsche Begrüßung. ?Ja, ich freu mich auch, dich zu hören.?
Sam seufzte. Das hatte er wirklich nicht verdient. ?Ben, es tut mir aufrichtig leid. Aber ich bin wirklich ziemlich fertig.? Sam nahm einen kleinen Schluck des heißen Gebräus.
?Ach Sam, selbst wenn ich wollte, ich könnte dir nicht lange böse sein. Hör zu, in ca. 30 Minuten wird ein grauer Lieferwagen vorfahren. Die beiden Herren werden Summersby fachgerecht verladen. Siehst du aus wie eine trauernde Witwe?? Sam betrachtete ihren nackten Körper und dachte an ihre Jeans und das T-Shirt, die sich munter in der Waschmaschine drehten. Nein, sie hatte ja über zwei Stunden geschlafen. Sie sollte dafür sorgen, dass sie die Dinge in den Trockner bekam, sonst müsste sie den beiden Männern noch im Eva-Kostüm gegenüber treten.
?Eher nicht.?
?Dann besorg dir entsprechende Kleidung. Die beiden Herren werden dir helfen. Sie versorgen dich auch mit den nötigen Papieren und mit etwas Taschengeld. Summersby wird in einem Sarg reisen. Er wird schlafen. Damit er nicht erstickt wird man ihm eine Maske vor dem Gesicht befestigen, die an - warte - ...? Sam hörte Papier rascheln. ?... die an einer Flasche mit Kaliumpermanganat hängt. Luigi meint, das hätten die Deutschen im Zweiten Weltkrieg in U-Booten mitgeführt, um ... egal. Zumindest wird er so wohlbehalten in Amerika ankommen. Das Flaschenvolumen reicht für 14 - 16 Stunden.?
Sam trank wieder an ihrem Espresso. ?Ben, wer sind die beiden Männer??
?Tja, sagen wir sie sind Mitglieder von La Familia. Mehr müssen wir nicht wissen. Sie sind zuverlässig. Für den Preis, den sie verlangen, müssen sie dir das rundum-sorglos-Paket bieten. Also, Sam, wo soll die Reise hingehen??
Sam zögerte. Benedict wurde ungeduldig. ?Sam, wo sollen die Eltern hin? Ich muss doch ...?
?Ja, ja, ich weiß. Du wirst nicht glücklich sein.? Sam nagte an ihrer Unterlippe. Sie war sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. ?Sie sollen in Huston landen. Von dort aus musst du sie mit Autos nach Cestahowa bringen. Mehrere PKW, die im Abstand von mindestens 45 Minuten losfahren. Sam erklärte ihm den Weg zu Dicks Hütte. Benedict zog scharf die Luft ein.
?Sam. Ich halte das für keine gute Idee.?
Sam lachte bitter. ?Unser letzter Auftrag Benedict. Du hast es selber gesagt. Es läuft nach meinen Spielregeln oder es läuft gar nicht.?
?Sam, ich dachte nur, dieser Ort - bist du sicher, dass du das aushältst? Ich mache mir Sorgen um dich.?
Sam glaubte ihm, dass ihm vor allen Dingen ihr Wohl am Herzen lag. Doch sie hatte sich entschieden. Sie straffte die Schultern. ?Bring sie dorthin Ben. Alles wird gut. Und danach müssen wir reden - nur wir beide.?
?Gut. Da ist noch eine Sache. Ich war zwischenzeitlich bei meinem Bruder in Kalifornien.?
Sam schwieg.
?Gut möglich, dass du mich nicht direkt erkennst, wenn wir uns ...? er räusperte sich ?... wenn wir uns an diesem Ort begegnen.?
Sam schnürte es die Kehle zu. ?Was hast du getan, Ben?? Ihre Stimme war nicht mehr als ein raues Flüstern.
?Ich, ich - es war schon längst überfällig. Ich, ich hatte nie den Mut, dir ...? er schwieg.
?Ben??
?Die Idee hab ich schon seit Jahren. Eigentlich, seit wir uns kennen. Und als du gesagt hast, du willst dich zur Ruhe setzen, da hatte ich plötzlich Panik, du könntest ...? wieder schwieg er.
?Was, ich könnte aus deinem Leben treten? Herrgott Ben, du bist mein einziger Kontakt zu einer halbwegs normalen Welt. Du bist mein engster Vertrauter, du bist mein Gewissen, du ... ich werde dich niemals verlassen.?
?Vielleicht reicht es mir nicht, nur dein Geschäftspartner und Freund zu sein.?
?Sehr witzig, Ben. Vielleicht hast du dir diese Rolle selbst zugedacht. Ich hab nie ...?
?Lass gut sein Sam, wir sehen uns bald. Sieh zu, dass du mit allem fertig bist, bevor die beiden Männer kommen. Bis dann.?
Die Verbindung wurde unterbrochen. Sam sah wütend auf das schwarze Telefon. Was zum Teufel hatte Ben getan? Sie würde ihn nicht erkennen. Scheiße, wahrscheinlich hatte sein Bruder, der Herr Schönheitschirurg, Ben's Aussehen verändert. Gott, warum waren Männer eigentlich so blöd. Als ob Benedicts Aussehen jemals zwischen ihnen gestanden hätte. Doch so ganz richtig war diese Aussage nicht. Ben hatte selber dafür gesorgt, dass sein Aussehen der Grund war, warum sie sich nie näher gekommen waren.
Sam trank den erkalteten Espresso aus und machte sich daran, ihre Kleidung zu trocknen. Viel Zeit hatte sie nicht mehr.


Es dämmerte bereits, als Dick und Sam vor der kleinen Hütte anhielten. Sam wusste, dass sie jetzt nicht unnötig Zeit verlieren durfte, bevor Dick es sich vielleicht anders überlegte. Also griff sie energisch nach seiner Hand und zog ihn in die Hütte. Sie schob ihn in die Küche und bat ihn, eine Flasche Wein zu öffnen. Zögernd folgte er ihren Anweisungen. Sam lehnte im Türrahmen und betrachtete Dick, der ihr zwei Wassergläser entgegenhielt. ?Ich hab keine Weingläser.?
?Wird schon gehen. Hast du Kerzen??
?Ja, im Geräteschuppen. Zweiter Hängeschrank von rechts.?
Sam trat vor die Hütte und wandte sich nach links. Im Gegensatz zu dem Durcheinander und Chaos in Dicks Wohnhaus herrschte hier peinlichste Ordnung. Die Arbeitsfläche war pikobello sauber. Alle Werkzeuge und Gerätschaften waren an ihrem Platz an der Wand, fein säuberlich mit Dicks ungelenker Schrift ausgezeichnet. Bohrhammer, Bandschleifer, Axt, Fliesenschneider usw. Sam öffnete den zweiten Hängeschrank. Eine Unmenge von Teelichtern war dort gestapelt. Mindestens zwanzig Tüten mit 150 einzelnen Kerzen. Wozu zum Teufel brauchte man soviel davon? Sam griff einen Beutel und ging zurück ins Haus.
Dick hatte die Flasche und Gläser bereits ins Wohnzimmer getragen und stand unschlüssig vor Sam's Schlafstätte herum. Er sah den Beutel in ihren Händen und kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
?Du fragst dich jetzt sicher, wieso jemand so viele Teelichter bunkert.?
Sam sah ihn einfach nur an.
?Na ja, wenn man Kerzen eine zeitlang lagert, dann brennen sie langsamer ab.?
Er füllte die beiden Wassergläser bis zum Rand mit Rotwein. Sam trat zu ihm. Beide erhoben die Gläser und tranken sie zügig aus.
Dick wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. ?Bevor, bevor wir es tun, muss ich dir was zeigen.?
?Dick, ich weiß nicht, ob das eine so gute Idee ist.?
?Doch, es ist wichtig. Komm mit.?
Er führte sie vorbei an dem winzigen Arbeitszimmer, dem Badezimmer und seinem Schlafzimmer. Vor einer schmalen Tür blieb er stehen.
?Das hab ich noch nie einem Menschen gezeigt.?
Sam war die Situation unangenehm. ?Dann belass es auch dabei.?
?Nein, es ist wichtig, dass du nicht denkst, dass ich so irre bin, wie die drei Trottel es dich Glauben machen wollten.?
Er öffnete die Tür. Sam vermutete, dass dies früher die Besenkammer gewesen sei. Der Raum war schmal und nur 80 Zentimeter tief. Am Ende der Wand hatte Dick ein Holzbrett an die Wand gedübelt. Darauf stand ein Foto in silbernem Rahmen. Ein junges Paar lächelte feierlich herausgeputzt in die Kamera. Zwei brennende Teelichter flankierten das Foto. Sam sah Dick fragend an.
?Das ist Sandy. Seit vielen Jahren sorge ich dafür, dass hier immer ein Licht brennt. Ich weiß, es ist verrückt, aber es ist kein Altar oder so. Ich, ich, es ist wie ein innerer Zwang. Ich bin sicher, es geht ihr auch so gut, aber ich habe die verrückte Vorstellung, dass irgendetwas Furchtbares passiert, wenn die Flammen erlöschen. Sam betrachtete schweigend die Fotografie. Mit inneren Zwängen kannte sie sich aus. Schweigend öffnete sie den Beutel und holte zwei Teelichter heraus. Sie zündete die beiden neuen Kerzen an den bereits brennenden an.
Sie sah Dick ernst an. ?Jetzt haben wir Zeit und du musst dir keine Sorgen machen.? Leise schloss sie die Tür. Dick half ihr, die zahlreichen Teelichter im Wohnraum zu verteilen. Draußen drückte bereits die Nacht gegen die Fenster. Die Teelichter verbreiteten ein warmes Licht. Sam schenkte noch einmal Rotwein nach. Langsam tranken sie ihre Gläser aus. Als Dick erneut nach der Flasche griff, hielt Sam ihn zurück.
?Bitte. Ein wenig Alkohol ist durchaus anregend, aber zuviel, und es macht keinen Spaß mehr.?
Folgsam stellte er die Flasche zurück auf den Tisch. Sam rückte näher. ?Ich werde dich jetzt küssen. Ich will, dass du dir überhaupt keine Gedanken darum machst, was du tust oder wie du es tust. Fühl einfach und lass dich treiben. Schließ deine Augen.?
Dick folgte ihren Anweisungen. Sanft ließ Sam ihre Lippen über die seinen gleiten. Sie hauchte ihm zarte Küsse auf die Mundwinkel und drückte ihm schließlich einen sanften Kuss auf die Lippen. Vorsichtig strich sie mit ihrer Zunge über seinen Mund. Er öffnete die Lippen nur zögernd. Ganz langsam begann sie seinen Mund mit ihrer Zunge zu erkunden. Am Anfang reagierte er überhaupt nicht, dann mechanisch, bis sie spielerisch begann an seiner Zunge zu saugen. Seine Lippen wurden weich, sein Mund öffnete sich etwas mehr und seine Zunge begann heftig gegen die ihre zu schlagen.
Sam löste sich von ihm. Ernst sah sie ihn an. ?Alles in Ordnung??
Verlegen lächelte er. ?Es drückt.?
Sam sah amüsiert, wie er verstohlen am Stoff seines Schrittes zupfte. Schnell küsste sie ihn wieder. Diesmal war er fordernder. Und auch Sam's Atem beschleunigte sich.
?Du lernst schnell.? Sie ließ ihre Zunge über seinen Hals wandern und knabberte an seinem Ohrläppchen. Wieder griff er sich verlegen in den Schritt. Sam schob seine Finger bei Seite und begann seine Hose zu öffnen. Sie half ihm, die Hose herunter zu ziehen. Deutlich beulten sich seine Boxershorts aus. Dick war das sichtlich unangenehm. Sam fuhr sanft mit ihren Fingern darüber. ?Das ist phantastisch.? Sam stand auf und zog sich selber die Hose herunter. Sie nahm seine Hand und führte sie zwischen ihre Beine. Zögernd glitten seine Finger über den glatten Stoff ihres Slips.
Sam schloss die Augen und stöhnte sehnsuchtsvoll. Sofort zog er seine Hand zurück. ?Nicht aufhören.? Sam sah ihn verlangend an. Sie zog ihren Slip aus. ?Mach weiter.? Zögernd schob er seine Hand an der Innenseite von Sam's Schenkel hoch. Sie stellte ihren Fuß zwischen seine Beine und führte ihn an die richtige Stelle. ?Genau hier.? Sie schloss genießerisch die Augen und spürte, wie seine Finger sie vorsichtig betasteten. ?Und hier? Sie presste seine Finger fester gegen sich und spürte, wie er ein kleines Stück in sie eindrang. ?Tiefer? bat sie ihn. Mühelos glitt sein Finger in sie hinein. ?Phantastisch? hauchte Sam. Wieder berührte er sie mit seinen Fingern und schob sie mit kleinen, kreisenden Bewegungen hin und her. Nach einer Weile schob sie seine Hand sanft fort. ?Langsam. Sonst ...? Sie zog sich das Babydoll über den Kopf. ?... ich komm später gerne darauf zurück.? Vorsichtig setzte sie sich auf seinen Schoß. ?Küss mich.? Leidenschaftlich schob er ihr seine Zunge in den Mund. ?Hier? sie deutete auf ihren Hals. Heiß presste er seinen Mund auf die empfindliche Stelle über dem Schlüsselbein. Schnell ließ er seine Zunge hin und her schlagen. Sam löste sich nur wiederwillig von ihm. ?Hier? sie deutete auf ihre Brustwarze. Mit dem gleichen Verlangen umschloss er sie und schlug schnell mit seiner Zunge dagegen. Sam schob seinen Kopf sanft weg. ?Langsam Cowboy. Ich ...? Gierig beugte er sich über die andere Brustwarze. Sam stöhnte laut. Wieder ließ er seine Zunge in ihren Mund gleiten. Mit beiden Händen griff er nach Sam's Brüsten. Seine Hände umfassten Sam's Po. Sanft drückte er sie nieder und presste seine Lenden gegen sie.
?Ich halt das nicht aus? Stöhnte er in ihren Mund.
?Scheint, als sollten wir beide erst mal Druck ablassen.? Sie zog ihm die Shorts aus. Bestimmt drückte sie seine Knie auseinander und kniete sich vor ihn hin. ?Warte? fast flehend. Doch Sam hatte schon ihren Kopf gesenkt und umschloss ihn mit warmen Lippen. Er kam fast augenblicklich und explosionsartig. Unter Sam's festen Griff bäumte er sich auf. In pulsierenden Stößen ergoss er sich in ihren Mund und ihre Lippen passten sich seinem Rhythmus an. Sie hielt ihn weiter mit dem Mund umschlossen und legte eine Hand auf seine Brust. Sie spürte, wie sie sich schnell hob und senkte. Nach einer Weile ließ sie ihn los und trank einen Schluck Wein.
Er sah sie bedauernd an. ?Entschuldige, ich ...?
?Nein, das war absolut phantastisch. Kannst du das Gleiche für mich tun??
Zweifelnd sah er sie an und berührte schüchtern ihr Gesicht. ?Du bist wunderschön.? Sam drückte ihn auf die Polster. Eigentlich hatte sie vorgehabt sich auf ihn zu setzen, denn er war schon wieder bereit. Sanft zog er sie auf sein Gesicht. Sie spürte den schnellen Schlag seiner Zunge und den nahenden Orgasmus. Sam erhob sich ein Stück. Mit beharrlichem Griff drückte er sie fester auf seinen Mund. Sam spürte, wie er einen Finger langsam in sie schob. Er krümmte ihn leicht und ließ seine Zunge immer heftiger gegen ihr geschwollenes Fleisch schlagen. Sam gab auf und stieß immer heftiger mit den Hüften gegen sein Gesicht. Er löste die Hand von ihrer Seite und drehte eine Brustwarze sanft zwischen Daumen und Zeigefinger. Sam kam mit spitzen Schreien. Heftig atmend ließ er sie frei. Sam's Beine waren wie Pudding und sie setzte sich neben der Couch auf den Boden. Sie sah ihn an. Sein Gesicht glänzte von ihrer Flüssigkeit. Er grinste zufrieden. ?Das war gut, oder?? Sam lächelte ?Phantastisch. Hast du was dagegen, wenn ich eine rauche??
Er setzte sich auf und zog sie zu sich. ?Ja, denn ich will nicht warten.? Er küsste sie. Erst zärtlich, dann fordernd. Im Eifer des Gefechts landeten sie auf dem Fußboden. Sam rieb sich den Kopf. ?Aua?
Er grinste entschuldigend. ?Das war nicht meine Absicht.?
?So?? Sam umfasste sein steifes Glied. ?Und, was war deine Absicht?? Er schloss die Augen. Sie führte ihn zwischen ihre Beine. Still lag er auf ihr, sie spürte ihn in sich schwach pulsieren. ?Alles in Ordnung??
Er schlug die Augen auf. ?Das fühlt sich phantastisch an.?
Sam lächelte. Das war auf jeden Fall Neuland für ihn.
?Ich fürchte, wenn ich mich bewege, explodier ich schon wieder.?
?Hm, weißt du, das ist Sinn und Zweck des Ganzen.? Sam küsste ihn auf dem Mund. ?Und ich komm endlich zu meiner Zigarette.? Sam verdrehte verzückt die Augen und blinzelte ihm zu.
?Ach ja?? Er ließ seine Zunge aufreizend langsam über Sam's Brüste gleiten. Sie wühlte ihre Finger in sein dichtes Haar. Vorsichtig begann er sich in ihr zu bewegen.
?Bevor du zu deiner Zigarette kommst, ...?
Er bewegte sich schneller und Sam spürte wieder das sehnsuchtsvolle Ziehen in ihrem Unterleib.
?... will ich, dass du mit mir kommst.?
Sam passte sich seinem Rhythmus an. Sie hielt ihn fest umschlungen und ihre heißen Körper rieben sich immer verlangender aneinander. Sam kam zuerst. Mit beiden Händen packte sie seinen Hintern und drückte ihn in festen Stößen gegen sich. Er zog sich zurück und stieß heftiger in sie. Als er kam, lag er ganz still und Sam genoss sein Pulsieren.
Sam rauchte endlich mit Genuss ihre Zigarette. Danach liebten sie sich erneut. Dick hatte anscheinend vor, die letzten enthaltsamen Jahre in einer einzigen Nacht aufzuholen. Als er das fünfte mal verlangend nach Sam griff, schlug sie müde seine Hand fort. ?Langsam Cowboy. Gib mir ein oder zwei Stunden. Ich leide an massivem Flüssigkeitsverlust und wenn ich noch einmal komme, falle ich sofort in Tiefschlaf.? Sam kuschelte sich in seinen Arm.
?Nur ein wenig Ruhe? murmelte sie und war schon fast eingeschlafen.

Wie lange sie geschlafen hatte, konnte Sam nicht sagen. Sie erwachte und spürte seine Zunge zwischen ihren Beinen. Gott, der Junge ist ein Naturtalent. Sie hatte nicht gedacht, nach so kurzer Zeit überhaupt wieder in die Nähe eines Orgasmusses zu kommen. Doch was er da mit seiner Zunge anstellte, trieb sie zielsicher in exstatische Höhen. Sam's Hüften zuckten. Gott, wie konnte er nur so tief und kräftig mit seiner Zunge in sie eindringen? Sam spürte unbändige Lust. Als sich ihr Unterleib zuckend zusammenzog, drang er wieder erstaunlich tief mit seiner Zunge in sie. Sam schrie, als der Orgasmus sie förmlich von innen zerriss. Erschöpft blieb sie liegen. Sie spürte, wie er sich erhob. Seine Finger glitten über ihr Brandmal. Sie setzte sich auf und sah zur Couch. Der Schrei blieb ihr im Halse stecken. Breitbeinig saß der Widdermann da. Seine Augen leuchteten schwach im Schein der brennenden Teelichter. Seine Schlange war hart und pulsierte leicht.
Höhnisch streckte er Sam seine gespaltene Zunge entgegen und ließ sie anzüglich durch zwei Finger gleiten.
Sam war fassungslos. Sie spürte einen schmerzhaften Druck auf ihrer Blase. Der Widdermann hielt ihr eine Hand mit langen, gebogenen Krallen hin. ?Na mach schon.?
Sam griff die Hand und ließ sich von ihm auf die Couch ziehen. Sie war sich sicher, sie musste träumen. Der Widdermann ließ eine Kralle über seine pulsierende Schlange gleiten. Sam starrte fasziniert auf die Erhebungen unter seiner Haut. ?Ich hab's dir mal wieder gut besorgt, oder??
Sam sparte sich einen Kommentar.
?Weißt du, was dein neuer Freund gerade in diesem Moment macht??
Sam sah sich ängstlich um. Doch Dick war nirgendwo zu sehen.
Der Widdermann sah sie gelassen an. ?Er schaufelt dein Grab.?
?Du lügst.? stammelte Sam.
?Du bist nicht die Erste.?
?Du lügst.? ein kraftloses Flüstern.
?Sieh mich an.? Sam wollte dem Befehl widerstehen, doch wie unter Zwang wandte sie ihm ihr Gesicht zu.
?Komm zu mir.?
Sam dachte noch, wie komisch es sei, dass sie in ihrem Traum spürte, wie sie die Kontrolle über ihren Körper verlor. Der hypnotische Blick seiner roten Augen hielt sie gefangen. Sie griff nach seinen muskulösen Schultern.
Als Sam ihr Bein über ihn schwang, drang er brutal in sie ein. Ein Blitz explodierte vor Sam's Augen und plötzlich saßen sie nicht mehr auf der Couch in Dicks Hütte, sondern schwebten über der Waldlichtung. Sam sah herunter.
Dick stand in einem Loch und warf fröhlich pfeifend Schaufel um Schaufel dunkler Erde über seine Schulter.
Der Widdermann bewegte Sam's Hüften vor und zurück. Sie spürte das Gleiten der Kugeln. ?Sieh hin.? beschwor er sie und schob sie schneller vor und zurück. ?Sieh genau hin.?
Sam sah die Töpfe mit Rosen. Neben dem frischen Loch stand ein Sarg aus Glas.
Der Widdermann zog seine Krallen über Sam's Brüste. Heiß fühlte sie seine gespaltene Zunge an den empfindlichen Spitzen. Er setzte sich unter ihr auf. ?Für wen das Loch wohl geschaufelt wird, Schneewittchen?? Wieder schob er Sam auf seiner Schlange vor und zurück. Sie konnte nicht anders und umklammerte seine Oberarme, während er immer heftiger in sie stieß. Er zwang sie zu einem weiteren Orgasmus.
Wieder ein Blitz vor Sam's Augen. Wieder zurück auf dem Fußboden von Dicks Hütte. Mit panischem Blick sah sie den nackten Dick an ihrer Seite, schlafend. Der Widdermann zog sich langsam aus ihr zurück. Einen Moment schwebte sein Kopf mit der Maske noch über ihr. ?Töte ihn, bevor er dich tötet.? Die widerliche Fratze verschwand.


Kapitel 19


Sam ließ die beiden Italiener durch die zerstörte Terrassentür ein. Die beiden sahen aus, wie eine aufgepumpte Version der Blues Brothers. Schwarze Anzüge, weiße Hemden, schwarze Krawatten und teure Sonnenbrillen. Auf dem Kopf trugen sie keine Hüte, dafür aber dichtes, schwarzes Haar. Der jüngere der beiden war groß und breit, er hieß Francesco. Der ältere war wesentlich kleiner. Er war fast so hoch wie breit und erinnerte in seiner kompakten Gestalt annähernd an Danny de Vito. Er stellte sich als Tonino vor und war der Wortführer der beiden. Er machte eine abfällige Bemerkung über die dilettantisch eingeschlagene Scheibe. Sam zuckte die Achseln. ?Die Hütte soll sowieso abgefackelt werden.?
Die beiden Italiener klemmten sich Summersby mühelos unter den Arm und warfen ihn in den Laderaum des Transporters.
?Ah, Brandstiftung. Francescos Spezialität.? Er klopfte dem Rocky-Balboa-Verschnitt väterlich auf die Schulter. ?Gibt es im Keller eine Heizungsanlage?? Wieder musste Sam eine italienische Schimpfkanone über sich ergehen lassen, als sie die Frage nicht beantworten konnte.
Die beiden wollten runter und die Sachlage selber in Augenschein nehmen. Vorher bat Sam noch um eine Zigarette. Während sie rauchend am Lieferwagen lehnte, dachte sie grimmig über die beiden hochnäsigen Italiener nach. Die gaben hier die harten Mafiosi und machten keinen Hehl daraus, dass Frauen wohl eher hinter den Kochtopf gehörten. Sollten sie sich doch ihren Teil denken. Das Schlachtfeld im Keller würde die beiden wenig aus der Fassung bringen, vermutete sie.
Sam rauchte ihre Zigarette und verschwand in Summersby's Küche. Sie nahm die Ledermappe an sich und ging zum Lieferwagen zurück. Nach zwei weiteren Zigaretten erschienen die beiden Italiener.
?Was zum Teufel ist das da unten?? wollte Tonino wissen. Die beiden waren leichenblass. Sam hielt ihm schweigend die Mappe hin.
Die beiden blätterten in Summersby's Lebenswerk und bekreuzigten sich. Der ältere hielt Sam die Mappe hin und sah sie ehrfürchtig an. ?Du hast das Schwein unschädlich gemacht??
Sam nickte.
Heftig zog er sie in seine Arme und küsste sie feucht rechts und links auf die Wangen. Schweigend klopfte er ihr den Rücken. Sie quetschten sich zu dritt in die Fahrerkabine. Nach etwa 100 Metern hielt er ihr einen schwarzen Kasten mit einem silbernen Hebel vor die Nase. Sam drückte den Hebel nach vorn. Hinter ihnen ertönte eine laute Explosion. Rocky Balboa steuerte den Transporter zügig Richtung Stadt.
?Du brauchst Witwenkleidung.? Tonino musterte sie. ?Gucci oder Prada??
Sam sah ihn an. ?Egal. Hauptsache schwarz.?
?Gucci? wiederholte er grimmig.
Sam wurde edel ausstaffiert und in einem kleinen italienischen Bistro abgesetzt. Tonino sah auf die Uhr. ?In zwei Stunden sind wir wieder da.? Er warf ihr eine Packung Zigaretten zu. ?Ich habe ein köstliches italienisches Menü für dich ausgewählt. Damit bist du eine zeitlang beschäftigt.?
Sam blieb zurück und kämpfte sich tapfer durch Pasta, Carpaccio und Saltimbocca. Sie schlürfte gerade an einem erstklassigen Latte Macchiato, als ein schwarzer Maserati vor dem Bistro hielt. Francesco hielt ihr die hintere Türe auf.
Sie erreichten Rom in einer dreiviertel Stunde. Nach zwei weiteren Stunden saß Sam im Flieger. Den riesigen schwarzen Hut mit dem Schleier hatte ihr eine freundliche Stewardess im Handgepäckfach verstaut. Überhaupt kümmerte man sich außerordentlich aufmerksam um die trauernde Witwe. Sam sah aus dem Fenster und betrachtete die von der Sonne in orangerot getauchten Wolken.
?Showtime? - schon bald.

Der Morgen graute und Sam erhob sich leise. Dick schlief immer noch tief und fest. Vorsichtig schloss sie die Tür hinter sich und rannte in den Wald. Hektisch suchte sie nach der Stelle, wo sie vom Weg abgebogen und durch das Dickicht zur Lichtung gerannt war. Sam fand die Stelle und war dankbar, dass sie mit ihren Stiefeln eine Schneise in die Brennnesseln und Farne geschlagen hatte. Nackt wie sie war, wäre es sonst noch schmerzhafter für sie geworden, als es ohnehin schon war.
Ihre Beine brannten, dort wo die Brennnessel ihre Haut berührten. Nach quälenden Minuten erreichte sie die Lichtung. Goldene Sonnenstrahlen erhellten den Platz und ließen ihn in einem überirdischen Licht erstrahlen.
Zögernd betrat sie den merkwürdigen Platz und näherte sich den Blumenkübeln. Viele winzige Fliegen sirrten durch die Luft. Ihre hauchdünnen Flügel schimmerten in sämtlichen Regenbogenfarben. Sam hörte das Singen der Vögel und das Zirpen der Grillen. Einzig die hellgrauen Steinkübel mit den leuchtend blühenden Rosen wirkten irgendwie deplaziert. Aus der Nähe erkannte sie, dass es künstliche Blumen waren. Die Kübel waren nicht mit Erde, sondern mit Kunstmoos gefüllt und ließen sich erstaunlich leicht zur Seite schieben. Sam zog den ersten Kübel mit einem blutroten Rosenstock über den Waldboden. Es knirschte und kratzte.
Zuerst dachte Sam, der Boden des Kübels wäre stehen geblieben. Ungläubig starrte sie auf einen ebenen Fleck, der hell schimmerte. Lose Erde und Tannennadeln bedeckten das Material. Sam wischte die restliche Erde mit bloßen Händen fort. Ein kleines Stück Glas wurde sichtbar.
Sie schloss die Augen und flehte, aus diesem Albtraum zu erwachen.
Sie schaute in einen gläsernen Sarg. Die Strahlen der Sonne leuchteten das gläserne Fenster und den schrecklichen Inhalt erbarmungslos aus. Sam starrte in das Gesicht einer halbverwesten Frauenleiche. Ob Traum oder Realität, der Widdermann hatte nicht gelogen.
Kübel um Kübel zerrte Sam über den Boden und legte die verborgene Wahrheit darunter frei. Die Frauen waren keines natürlichen Todes gestorben. Oft sah Sam bräunliche Schlieren an der Glasoberfläche. Die erstickenden Frauen mussten verzweifelt versucht haben, die glatte Oberfläche mit ihren bloßen Händen aufzubrechen. Selbst die fortschreitende Verwesung konnte die grauenhafte Verzweiflung nicht aus ihren schmerzverzerrten Gesichtern tilgen.
Der Kübel mit dem weißen Rosenstock stand auf dem Grab eines Skelettes. Die mit Abstand älteste Tat von Dick. Sam erkannte das Kleid. Sandy hatte es auf ihrem Abschlussball getragen.
Sam kniete auf Sandy's Grab und weinte bittere Tränen. Um Sandy und um sich selbst. Wieder hatte das Schicksal grausam zugeschlagen, als Sam dachte, sie wäre auf dem besten Wege zu etwas Normalität.
Bitter stiegen Scham und Hass in ihrer Kehle hoch. Ein weiterer Mann, der Sam belogen und betrogen hatte, reihte sich in die Schlange derer ein, denen sie in ihrem Leben begegnet war. Und sie hatte ernsthaft gedacht, ihm und sich selbst ein Stück weit helfen zu können. Sie war sich so edel, so gut vorgekommen, als sie Verständnis für Dick und seine Situation entwickelt hatte. Sie hatte ernsthaft geglaubt, einmal in ihrem Leben mit einem Mann zusammen zu sein, der ihr ehrlich zugetan war, der ihr vertraute und dem auch sie vertrauen konnte.
Anscheinend konnte sie sich nur auf zwei Männer verlassen. Auf Benedict und auf den Widdermann. Wenn es nicht so traurig wäre, Sam hätte lauthals lachen können. Ihre persönliche Freakshow. Ein Computergenie und - ja, und was? Eine Halluzination? Der Teufel?
Sam erhob sich langsam von Sandy's Grab. Sie fühlte sich um Jahrzehnte gealtert. Sie ging zu der Stelle, die ihr der Widdermann gezeigt hatte. Tatsächlich war die Erde dort feucht und locker. Jemand musste vor kurzem hier gegraben haben. Sie rannte zurück zu Dick's Hütte.
Sam überzeugte sich davon, dass Dick noch fest schlief. Dann duschte sie ausgiebig und zog sich an. Sie wählte eine lange Hose, damit er durch ihre mit Brennnesselpusteln übersäten Beine nicht misstrauisch wurde. Sam stand gerade unschlüssig in der Küche, als sie hörte, wie er auf dem Boden im Wohnraum erwachte. Mit hölzernen Schritten ging sie zur Couch.
Er strahlte sie an. ?Morgen Sonnenschein.?
Sam hätte ihm am liebsten sein falsches Grinsen aus dem Gesicht geschnitten. Sie zwang ihre Mundwinkel nach oben. ?Ich hab einen Bärenhunger. Machst du uns dein berühmtes Junggesellenfrühstück??
Er griff nach ihrer Hand. ?Vielleicht später??
Sie zog ihre Hand zurück. ?Du bist unersättlich.?
Er stand auf und berührte ihr Gesicht. Sam musste alle Kräfte aufbieten, um nicht vor ihm zurück zu zucken. Sein Daumen strich über ihre vollen Lippen. ?Du hast doch auch Hunger.? raunte er ihr zweideutig zu.
Der Irre hatte schon wieder einen Ständer. Sam sah zum Badezimmer. ?Geh kalt duschen Dick. Wenn dein Kaffee besser wird, als beim letzten mal, kann ich vielleicht auch was gegen deinen Appetit tun.?
Locker und beschwingt ging er zum Badezimmer. Sam wartete, bis sie das Wasser rauschen hörte und spurtete los.
Hastig betrat sie den Geräteschuppen und riss die Axt aus ihrer Halterung. Das Werkzeug lag schwer und beruhigend in ihren Händen. Die Schneide sah blank und scharf aus. Sie erinnerte sich an die Worte des Widdermannes. ?Töte ihn, bevor er dich tötet.? Sam blieb lange mit geschlossenen Augen stehen und bereitete sich auf das Unvermeidbare vor.
Sam betrat die Hütte. Dick stand bereits in der Küche und schlug Eier in eine Pfanne. Er sah kurz zu ihr. ?Was willst du mit der Axt??
Sam drehte den Stiel in ihren Händen. ?Ich dachte, wir könnten ein wenig Holz schlagen und uns vor dem prasselnden Kaminfeuer lieben.?
Dick schabte die Eier in eine Schüssel und trug sie zum Tisch. ?Sehr romantisch. Nur leider hab ich keinen Kamin.? Er setzte sich an den Tisch.
Sam betrachtete die gebräunte Haut in seinem Nacken. ?Das ist aber schade.? Sie umschloss den Griff der Axt mit beiden Händen und holte aus. ?Jammer, jammerschade.?
Mit dem ersten Hieb drang die Schneide tief in sein Fleisch. Sam hörte es knacken, als die Axt auf seine Wirbelsäule traf. Dick hatte keine Zeit zu schreien oder sich zu wehren. Beim ersten Hieb war er schon tot. Er fiel mit dem Gesicht auf den Tisch. Sein Blut spritzte gegen die Decke der Küche und hinterließ ein Muster aus rötlichem Nebel.
Sam zog die Schneide mit einem hässlichen Schmatzen aus der Wunde hervor. Dunkles, fast schwarzes Blut tropfte auf den Boden. ?Scheißkerl? Sam nahm Maß und trennte den Kopf mit einem weiteren heftigen Hieb von seinem Körper.
Die Axt fiel ihr aus der Hand. Fast wie in Trance griff sie in sein volles, vom Duschen noch feuchtes, Haar und trug den Kopf mit sich in den Wohnraum. Aus der fast leeren Tüte griff sich Sam zwei Teelichter. Von Dicks Hals fielen dicke Bluttropfen auf den Boden und zogen eine blutige Spur bis vor die Tür, hinter der das gerahmte Foto von Sandy's Abschlussball stand.
Sam stellte Dicks Kopf auf das Brett und positionierte ihn so, dass sein gebrochener Blick auf das Foto fiel. Gelassen entzündete sie die frischen Teelichter und entfernte die ausgebrannten, die Dick und sie gemeinsam in der letzten Nacht aufgestellt hatten. Dick hatte Recht behalten, wenn die Teelichter ausgehen, passiert etwas Schlimmes.
Sie zog die Tür hinter sich zu.

Drei Stunden später saß Sam in ihrem Porsche und schoss auf der Straße dahin. Sie hatte all ihre Sachen in ihre Reisetaschen geworfen und die Hütte so gut es ging von ihren Fingerabdrücken gesäubert. Dicks Leichnam hatte sie in der Küche zurückgelassen.
Auf dem nächsten größeren Rastplatz hielt sie an und bestellte sich bei der drallen Bedienung ein Fernfahrerfrühstück mit starkem Kaffee. Sie rief Benedict an und informierte ihn über die jüngsten Ereignisse. Sie bat ihn, ihr die Adresse eines erstklassigen Wellnesshotels zu nennen.
Im Hotel angekommen, machte Sam sofort einen Termin mit der hauseigenen Typberaterin. Sam erklärte ihr, dass sie sich gerade aus einer langjährigen Beziehung gelöst hätte und ihren Typ komplett verändern wolle. Die Beraterin riet Sam zu einem kinnlangen Pagenkopf. Der schwule Friseur des Hauses färbte Sam's Haar brünett und zog rostrote Strähnen hinein. Ihre Locken wurden mit einem Glätteisen bekämpft. Die Typberaterin steuerte dunkelbraune Kontaktlinsen zur Vollendung des Werkes bei.
Sam betrachtete neugierig ihr neues Gesicht im Spiegel. Niemand würde sie mit einer langhaarigen, gelockten Blondine in Verbindung bringen. Sam gönnte sich drei Wochen mit Anwendungen und Massagen und kaufte per Internet eine Farm in Kanada. Benedict erledigte den Papierkram.
Sam versuchte so gut es ging, sich zu entspannen. Sie schlief viel und war häufiger Gast im großzügigen Spa-Bereich. Vor allem nachts genoss sie die Einsamkeit und schwamm viele Bahnen, bis sie anschließend vor Erschöpfung in ihrem Bett einschlief. Der Widdermann erschien ihr nur ein einziges mal.
Sam war wieder nachts alleine im Spa-Bereich. Einsam zog sie ihre Runden durch das Wasser. Da sie sich noch nicht wirklich erschöpft fühlte und befürchtete, sich ruhelos in ihrem Bett herum zu werfen, beschloss sie zum Abschluss in den heißen Whirlpool zu steigen. Sam lehnte sich zurück und genoss das Prickeln der Luftblasen auf ihrer Haut. Sie döste ein.
Sam erwachte schläfrig oder träumte weiter, sie war sich nicht sicher. Der Widdermann saß hinter ihr. Sanft strichen seine Finger über Sam's Brüste. Sie lehnte sich entspannt gegen seine muskulöse Brust. Seine Lippen berührten die zarte Haut unter Sam's Ohrläppchen. Sie spürte die Spitzen seiner scharfen Zähne, ein erregendes Gefühl. Sam ließ zu, dass er ihre Beine spreizte und sie über dem Wasserstrahl einer Bodendüse positionierte. Seine scharfen Krallen zogen ihre Schamlippen auseinander und Sam spürte, wie der Wasserstrahl gegen ihre empfindliche Haut strömte. Dabei hielt er sie mit seinen starken Armen in der richtigen Position. Sam ließ sich gehen.
Als es vorbei war, schlug sie erschöpft die Augen auf. Sie saß alleine in dem blubbernden Whirlpool. Sie zitterte vor Angst. Ob Traum oder Wirklichkeit, wenn sie sich in Gegenwart eines solchen Ungeheuers wohl und geborgen fühlte, konnte das nur eins bedeuten. Sie war selbst eine verabscheuungswürdige Kreatur.

Sam checkte am nächsten Morgen aus und informierte Ben, dass sie auf dem Weg sei, um sich mit ihren Auftraggebern zu treffen.
Nach drei entnervenden Monaten mit Befragungen und Auswertungen war klar, dass ihr letzter Auftrag sie in die heilige Stadt, nach Rom, führen würde. Sam freute sich auf erstklassigen Latte Macchiato und Pasta und auf die Aussicht, endlich mit dem Leben als Auftragskillerin abschließen zu können.
In Rom angekommen, führte sie ihr erster Weg in die Sixtinische Kapelle. Sie hatte das Gefühl, diesen heiligen Ort mit ihrer Anwesenheit zu entweihen. Trotzig ließ sich Sam zum Gebet nieder. Belinda Hammersfield musste sterben und Sam würde auf ihrem Grab tanzen.

Der Flug nach Amerika verlief ohne Komplikationen. Sam dachte an Summersby, der in einem teuren Eichensarg im Frachtraum des Flugzeugs friedlich schlummerte. Zum rundum-sorglos-Paket der italienischen Delegation zählte auch die Frachtüber­nahme in Huston. Summersby würde bis zu seinem Ziel in der Holzkiste reisen. Die Italiener hatten Sam davon abgeraten. Summersby würde zwar ausreichend lange mit Sauerstoff versorgt werden, aber das Schlafmittel war genau auf die Dauer des Fluges dosiert worden. Sam schätzte, dass sie noch mindestens vier Stunden Auto­fahrt vor sich hatten, bis sie vom Flughafen aus Dicks Hütte erreichen würden. Sollte Summersby ruhig diese Zeit bei vollem Bewusstsein in der Enge und Dunkelheit sei­ner Holzkiste verbringen. Sam würde sein Klopfen und Treten nicht stören. Es würde Musik in ihren Ohren sein.

Am frühen Nachmittag landete die Maschine auf dem Flughafen von Huston. Die Ita­liener arbeiteten zügig und effizient. Ein grauhaariger Mann in edlem Armanizwirn überwachte die Verladung des Sarges in den bereitgestellten nachtblauen Volvo. Er bewegte sich elegant und hatte das selbstbewusste Auftreten eines Politikers. Er überreichte Sam die Wagenschlüssel. ?Sie sind das letzte Fahrzeug, welches wir auf den Weg bringen. Ihr Partner fährt den ersten Wagen. Er ist ...? Er sah auf seine teure Cartier-Uhr. ?... vor ca. 3 Stunden losgefahren. Zwei Fahrzeuge sind im 45 Mi­nuten-Abstand gefolgt.?
Er sah Sam ernst an. ?Sie haben ein Problem.?
Sam sah ihn besorgt an.
?Wir haben alles Mögliche versucht, um ihn in den letzten Wagen zu setzen. Aber ...? Er seufzte. ?... entscheiden Sie, was mit ihm geschieht. Folgen sie mir bitte.?
Sam ahnte nichts Gutes, als sie ihm zu einem dunklen Mercedes begleitete. Der grauhaarige Italiener klopfte gegen die dunkle Scheibe. Das dunkle Glas glitt herun­ter. Auf dem Rücksitz saß ein geknebelter und gefesselter Mann. Sobald er Sam und den Grauhaarigen erblickte, begann er heftig an seinen Fesseln zu zerren. Sam sah den Italiener überrascht an. ?Wer ist das??
Grimmig musterte er den Mann auf dem Rücksitz, der unter großer Anstrengung ge­gen seinen Mundknebel protestierte. ?Ihr Partner sagt, sie sollen ihn anrufen.? Er hielt Sam ein Handy hin. ?Drücken sie einfach zweimal auf den grünen Hörer.?
Sam benutzte das Handy und nach dem zweiten Klingeln hob Benedict ab. ?Ja??
?Ben, hier ist Sam.?
?Ah, hast du unseren sturen Freund schon gefunden??
?Wer ist das, Ben??
?Danielles Vater.?
Sam betrachtete den Mann auf dem Rücksitz.
?Warum ist er noch hier??
?Weil er ein Arschloch ist.?
?Bitte??
?Er wollte unbedingt mit dir und Summersby fahren. Ich hatte gehofft, unsere italieni­schen Freunde könnten ihn umstimmen, deshalb bin ich einfach los. Ich schlage vor, du nimmst ihn mit. Lass ihn bloß geknebelt und gefesselt, der Typ steht ziemlich ne­ben sich.?
?Bis gleich.? Sam unterbrach die Verbindung.
Der Italiener breitete die Arme aus. ?Was nun??
?Bringen Sie ihn zum Volvo.?
?Sie sind der Boss. Tonino lässt Ihnen seine besten Grüße ausrichten. Es liegt auf der Rücksitzbank.?
Neugierig spähte Sam auf die riesige Kiste und öffnete den beigefügten Umschlag. ?Für den teuflischen Engel. La dolce vita. Tonino?. Sam zerriss das himmelblaue Ge­schenkpapier. Ein Kaffeeautomat und zwei Kilo feinster italienischer Kaffeebohnen. Sam grinste. La dolce vita - passte sicher gut nach Kanada.

Sam fuhr schweigend auf der einsamen Landstraße. Es war 18:00 Uhr. In ca. drei Stunden würden sie die Hütte erreichen. Sie spürte, wie Danielles Vater sie von der Seite anstierte. Von hinten hörte sie dumpfes Klopfen. Summersby war ungefähr vor 20 Minuten aufgewacht.
Sam fühlte sich müde und gereizt. Nur der Gedanke an ihre Farm in Kanada hielt sie einigermaßen bei Laune. Sam streifte Danielles Vater mit einem Blick. ?Werden Sie sich benehmen, wenn ich Ihren Knebel löse??
Ohne hinzusehen spürte Sam sein eifriges Kopfnicken. Also fuhr sie den Volvo an den Straßenrand und löste das Klebeband von seinem Mund.
?Danke. Bitte, ich hab fürchterlichen Durst.?
?Bedaure, für ein Picknick bin ich nicht gerüstet.?
Er deutete mit dem Kinn auf das große Handschuhfach des Volvos. ?Da drin. Ich hab gesehen, wie die Italiener die Fahrzeuge bestückt haben.?
Sam öffnete zweifelnd das Handschuhfach. Sie grinste. Tatsächlich das rundum-sorglos-Paket. Im Handschuhfach lagen zwei kleine Flaschen Pelligrino, italienisches Mineralwasser. Sam öffnete den Verschluss einer Flasche und hielt sie Danielles Vater an die Lippen. Er schluckte gierig, dabei lief ihm das Wasser rechts und links aus dem Mund und benetzte den Kragen seines teuren Polohemdes.
?Danke. Binden Sie mich bitte los.?
Sam sah ihn ungerührt an. ?Nein.?
?Was zum Teufel bilden Sie sich eigentlich ein. Ich sorge seit Jahren dafür, dass Ihre Finanzen, ...mpfh?
Sam drückte ihm das Klebeband fest über die Lippen. Sie sah ihn ernst an. ?Hören Sie zu. Sie haben mir erstklassige Dienste geleistet und dafür hab ich den Mörder ihrer Tochter mitgebracht. Sehen Sie, ich selber habe vor langer Zeit einen geliebten Menschen verloren. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich das Schwein töten und alle, die versuchen würden, mich daran zu hindern. Es ist also nur zu Ihrem Besten, wenn die Fesseln da bleiben, wo sie sind. Sie sollen Ihre Rache haben, aber nicht jetzt. Kann ich das Klebeband wieder entfernen??
Er schloss resigniert die Augen. Sam wertete es als Zeichen seiner Zustimmung. Ruckartig riss sie das Klebeband herunter. Die Haut um seinen Mund war stark ge­rötet. Tränen liefen über sein Gesicht. ?Danielle ist tot??
Sam seufzte. ?Keines seiner Opfer lebt mehr.?
Der Mann begann zu weinen. ?Ich dachte, ich hoffte ....? Heftig schluchzend ver­stummte er.
Sam nahm selber einen Schluck Wasser und verstaute die Flasche im Handschuh­fach. ?Können wir weiter??
Er nickte.
Wieder auf der Straße, fuhren sie eine Weile schweigend dahin. Langsam beruhigte sich Danielles Vater. Immerhin hatte der Mann etliche Jahre Zeit gehabt, sich auf das Unvermeidliche vorzubereiten.
Sam schaltete in den fünften Gang. ?Wie heißen Sie noch mal??
?Joseph Rüttli. Und Sie, Sie sind Belinda Hammersfield.?
?Fürs Erste.?
?Hat Danielle, haben die Kinder leiden müssen??
Sam wählte ihre Worte mit Bedacht. ?Sie sind dem Schutz ihrer Familien entrissen worden. Mit Sicherheit haben sie sich geängstigt. Aber kein Kind wurde zu Lebzeiten gequält oder misshandelt.? Vor ihrem geistigen Auge schwebten die Fotos der Jun­gen und Mädchen, die von Summersby gezwungen wurden, in die Kamera zu lä­cheln.
?Was hat er mit ihnen gemacht??
?Er hat sie nicht sexuell missbraucht, wenn Sie das wissen wollen.?
Joseph Rüttli's Stimme scholl überlaut durch die Fahrgastzelle. ?Ich bin ihr Vater, ich habe das verdammte Recht, zu erfahren, was das Schwein mit meiner Tochter an­gestellt hat.?
Sam überraschte der Ausbruch nicht. Der Mann war es gewohnt, Befehle zu erteilen und das alle nach seiner Pfeife tanzten.
?Gedulden Sie sich ein wenig, Joseph Rüttli. Ich werde alle betroffenen Eltern infor­mieren. Ich habe jedoch vor, diesen Wahnsinn nur ein einziges mal zu erzählen, also ...? Sam blickte kurz auf die Uhranzeige des Volvos. ?... also, gedulden Sie sich noch ein bis zwei Stunden, OK??
?Es interessiert mich einen Scheiß, was Sie wollen. Ich bin Ihr Auftraggeber, ein zahlender Kunde, bedienen Sie mich gefälligst.?
Langsam ging der Herr Bankier Sam gehörig auf die Nerven. ?Es läuft nach meinen Regeln, oder überhaupt nicht.?
?Ja, und was haben wir von Ihren Regeln? Tote Kinder.?
Die Worte verletzten Sam zutiefst. Wütend schleuderte sie ihre Worte gegen die Windschutzscheibe. ?Während Sie sich in der Schweiz die Eier geschaukelt haben, hat er Ihrer Tochter die Haut abgezogen. Er hat sie ausgestopft und als lebensgroße Schaufensterpuppe ausgestellt. Das waren nur die Hauptinfos. Wünschen Sie De­tails? Bitte gedulden Sie sich noch einen Moment. Hinten im Sarg, bei Summersby, habe ich einen detaillierten Bildband, der die Präparation der einzelnen Kinder sehr genau wiedergibt. Nur für den Fall, dass meine geneigte Kundschaft den Worten ei­ner für Geld mordenden Irren keinen Glauben schenken will.?
Fassungslos starrte er Sam an.
Sam, die sich schon genug über ihren Gefühlsausbruch ärgerte, fuhr ihn trotzig an. ?Was ist? Sie wollten es wissen, oder??
Voller Abscheu betrachtete Danielles Vater Sam's Profil. ?Was sind Sie nur für ein Mensch? Sind Sie überhaupt noch einer? Oder hat etwas vom Wahnsinn Ihrer Opfer auf Sie abgefärbt? Nur um Ihr eigenes krankes Gewissen zu beruhigen, wollen Sie uns diesen Bildband unter die Nase halten? Sie müssen wahnsinnig sein. Sie Monster.?
Sam presste trotzig die Lippen aufeinander. Selbstgefälliges Arschloch, dachte sie. Was bildete er sich ein, hier über sie zu richten. Zum Morden war sie gut genug, jetzt machte er ihr auch noch zum Vorwurf, dass sie nicht feinfühlig genug war. Doch Sam erkannte durchaus einen Funken Wahrheit in seinen Worten. Na und, sie hatte gegen ihre eigenen Dämonen zu kämpfen. Sie angelte sich eine Zigarette aus der Hosentasche und drückte den Zigarettenanzünder des Volvos.
?Sie wollen hier drin doch nicht etwa rauchen?? Entrüstung schwang in seiner Stimme.
Sam hielt den glimmenden Anzünder an die Spitze ihrer Zigarette. ?Erklären Sie mir, wie Sie mich daran hindern wollen.? Sie blies den Rauch in seine Richtung. Die restliche Fahrt verbrachten sie mit eisigem Schweigen.

Sam's Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen, als sie vor Dicks Hütte anhielt. Es war dunkel. Sam sah auf die Uhr. 21:06 Uhr - eine Punktlandung.
?Was ist? Sind wir da?? Danielles Vater sah sich unruhig um.
Sam öffnete die Wagentür. ?Ich hab noch was zu erledigen.?
Sie stieg aus und sah das verblassende Polizeisiegel, mit dem die Hüttentür immer noch verschlossen war. Sam brach es auf und verschaffte sich mit zwei kräftigen Tritten Einlass.
Stickige, abgestandene Luft schlug ihr entgegen. Sam betätigte den Lichtschalter - nichts. Wahrscheinlich hatten die ermittelnden Beamten alle Sicherungen ausgestellt. Da sie sich gut auskannte, fand sie sich im fahlen Mondlicht zurecht. Zuerst betrat sie die Küche.
Auf dem kleinen Küchentisch hoben sich die mit hellem Klebeband gezogenen Umrisse von Dicks Oberkörper und Armen ab. Die Axt fehlte. Sie lag sicher als Beweismittel Nr. 1 in der Asservatenkammer einer Polizeistation.
Sam ging in den Wohnraum. Für einen kurzen Moment dachte sie, der Widdermann würde auf der Couch hocken. Sie zog scharf die Luft ein und stieß sie erleichtert wieder aus. Bei der Durchsuchung hatten die Beamten einige Kissen auf der Couch verschoben. Die hochstehenden Ecken und Sam's angespannte Nerven hatten ihr einen Streich gespielt.
Zögernd ging Sam auf die Besenkammer zu. Wie beiläufig sah sie die dunklen Spuren des Graphitstaubs, die sich über den Holzrahmen der Tür zogen.
Sam öffnete die Tür. Kein Fenster erhellte den Raum. Er lag in undurchdringbarer Dunkelheit. So sehr Sam ihre Augen auch anstrengte, sie konnte nicht erkennen, ob das Foto noch an seinem Platz stand. Wahrscheinlich eher nicht. Sicher war es auch als Beweismittel katalogisiert worden. Doch die bloße Vermutung reichte ihr nicht. Sie brauchte Gewissheit.
Mit ihren Händen tastete Sam durch die Dunkelheit. Mit ausgestreckten Armen konnte sie gerade die Kante des Brettes ertasten. Es blieb ihr nichts anderes übrig, sie musste die Besenkammer betreten. Als Sam von der Düsternis des engen Raumes verschluckt wurde, rechnete sie jeden Moment damit, dass ihre Finger das dichte Haar des abgehackten Kopfes ertasten würden. Ihr Atem ging rasselnd und ihre Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Sam's Hände tasteten das Brett ab, kein Kopf, kein Foto, keine Teelichter.
Mit einem lauten Knall fiel die Tür hinter ihr zu. Gleichzeitig wurde sie von hinten gepackt. Sam's Gedanken rasten. Dick? Summersby? Danielles Vater?
Sam konnte kaum atmen, so fest umklammerte sie der eiserne Griff kräftiger Arme. Sie konnte die rauhe Stimme kaum durch ihren eigenen, keuchenden Atem hören.
?Wenn du diese Sache beendet hast, müssen wir reden.?
Sam starrte in die Dunkelheit - der Widdermann.
?In seinem eisigen Gefängnis wartet unser Sohn darauf, von dir ausgetragen zu werden.?
Der Druck ließ so plötzlich nach, wie er gekommen war. Sam öffnete die Tür. Einen Moment griff die Panik mit eisigen Klauen nach ihr, als sich der Türknopf in ihren feuchten Fingern nicht drehen wollte. Sam stürzte aus der Besenkammer und übergab sich würgend. Gehetzt sah sie sich um. Kein Mensch, kein Widdermann zu sehen. Sie war allein.
Du verlierst den Verstand, dachte sie matt.
Draußen ertönte die Hupe des Volvos. Sam ging hinaus. Danielles Vater stieß seinen Kopf immer wieder auf das Lenkrad und betätigte so dröhnend die Hupe. Ein durchaus komischer Anblick. Doch Sam war nicht nach Lachen zu Mute.
Der Schweizer Bankier sah sie an. Sam zog die flache Hand über ihre Kehle. ?Hör auf.? Der Bankier saß wieder ganz still. Sam ging in den Geräteschuppen und packte Zangen, Schraubenschlüssel und Brechstangen in zwei große Werkzeugkisten. Sie stellte beide auf eine Sackkarre und fuhr damit zu dem parkenden Volvo und hievte sie neben Summersby's Sarg in den Kofferraum.
Als Summersby die Geräusche hörte, begann er sofort, mit seinen Füßen gegen das Holz zu trommeln.
?Das macht der Irre schon, seit wir angehalten haben.? Maulte Danielles Vater vom Beifahrersitz. Sam klemmte sich hinter das Lenkrad. ?Nicht mehr weit. Wir sind gleich da.?
Der Bankier musterte ihr Gesicht. ?Sie sehen scheiße aus.?
Sam lachte hart. ?Danke für die Blumen.? Sie dachte an Rosen.


Kapitel 20


Sam steuerte den Volvo in den Wald. Deutlich waren die Reifenspuren der drei Autos zu sehen, die vor ihr diese Richtung eingeschlagen hatten. Sam bog vom Weg ab und erreichte die Lichtung.
Ben hatte bereits zahlreiche Pechfackeln aufgestellt und entzündet. Sam parkte den Wagen neben der wartenden Gruppe. Sieben Elternpaare und Ben sahen angespannt auf den Volvo.
Sam stieg aus. Mit ihren Augen suchte sie Ben. Ihr Blick glitt zurück zu einem hochgewachsenen Mann mit vollem Haar und gutgeschnittenem Gesicht. Ben's neues Aussehen war gewöhnungsbedürftig. Sein Bruder hatte eine chirurgische Meisterleistung an ihm vorgenommen. Sam war sich nicht sicher, ob ihr der alte Ben nicht besser gefallen hatte. Er trat auf sie zu.
?Alles in Ordnung?? Er versuchte in Sam's Gesicht zu lesen.
Sam zuckte die Achseln. ?Soweit.? Sie wandte sich zum Volvo und half Danielles Vater beim Aussteigen.
Zwei Frauen lösten sich kreischend aus der Gruppe und stürzten auf Sam und den Schweizer zu. Verblüfft sah Sam, dass ein Vater nestelnd eine Schusswaffe aus seinem Jackett zerrte und dabei war, die Waffe auf den Bankier zu richten.
Ben baute sich vor ihnen auf und hob die Arme. ?Halt, das ist nicht Summersby!?
Die Frauen blieben stehen, der Mann senkte die Waffe zu Boden.
Hinter Sam zerrte Danielles Vater heftig an seinen Fesseln. ?Herrgott noch mal, binden Sie mich endlich los. Ich wäre beinahe getötet worden.?
Ben trat eilig hinter ihn und zückte ein Messer.
Sam drehte sich zu dem Schweizer um. ?Berufsrisiko. Benehmen Sie sich, sonst leg ich Sie schlafen.?
Ängstlich wich er vor Sam zurück und trat zu der Gruppe von Eltern. Sam hörte, wie er sich prahlend vorstellte und laut seine Position ?Schweizer Bankdirektor' zum Besten gab. Sam verdrehte die Augen.
Gemeinsam mit Ben schob sie den Sarg auf die Sackkarre. Es war sehr anstrengend, die schwere Fracht über den weichen Waldboden zu transportieren. Den Sarg legten sie neben der Stelle ab, die Dick als Sam's letzte Ruhestätte auserkoren hatte. Sam drehte sich zu den wartenden Eltern herum, während Ben die beiden Werkzeugkisten aus dem Volvo holte.
Sam schob sich das dunkle Haar hinter die Ohren. Sie musterte die vor ihr wartende Gesellschaft. Ihre Auftraggeber erwarteten eine Erklärung. Ben stellte die Kisten neben dem Sarg ab.
Sam räusperte sich heiser. Ihre Stimme klang schrill, als sie ihre Auftraggeber ansprach.
?Leider konnte ich ihre Kinder nicht retten. Sie waren alle bereits tot.?
Einige Frauen und Männer begannen zu schluchzen. Die meisten jedoch starrten Sam weiter an.
?Der Mörder ihrer Kinder liegt gefesselt da drin. Er lebt.? Sam deutete auf den Eichensarg.
?In den Kisten finden Sie Werkzeug. Sie können den Sarg damit öffnen und mit ihm machen, was immer Sie wollen.? Sam blickte Danielles Vater an.
?In dem Sarg befindet sich eine schwarze Ledermappe. Ich möchte Sie warnen. Der Inhalt wird Ihnen grausame Details über das Hinscheiden Ihrer Söhne und Töchter eröffnen. Überlegen Sie gut, ob Sie sich der grausamen Wahrheit aussetzen wollen. Sie sind tot, vielleicht sollte Ihnen das genügen.?
Ein Raunen ging durch die Gruppe, leise beratschlagten die einzelnen Paare sich. Der Schweizer Bankier sah Sam an, als wäre sie ein widerliches Insekt.
Sam deutete auf die aufgeworfene Erde. ?Darin liegt ein Sarg aus Glas. Ich hab keine Ahnung wie lange ein Mensch darin überleben kann, bis er an Sauerstoffmangel erstickt.?
Sie atmete tief durch. ?Ich biete Ihnen die einmalige Gelegenheit, Rache am Mörder Ihrer Kinder zu nehmen.?
Sam zündete sich eine Zigarette an. ?Sie haben eine Zigarettenlänge Zeit zu beratschlagen, ob Sie die Rache selber vornehmen wollen. Mein Partner und ich werden uns dann mit dem Volvo entfernen. Oder ...?
Sam zog erneut an ihrer Zigarette. ?... oder Sie entscheiden sich für Plan B. Sie haben eine Menge Geld dafür bezahlt, dass ich Ihre Kinder und den Entführer Ihrer Kinder finde. Da ich leider kein Kind lebend retten konnte, biete ich Ihnen kostenlos an, das Schwein in den Glassarg zu legen und seinem Schicksal zu überlassen. Unsere Wege werden sich dann trennen. Nehmen Sie nie wieder Kontakt zu uns auf.? Sam betrachtete ihre Zigarette. ?Ihre Zeit läuft.?
Ben trat an ihre Seite und umklammerte schmerzhaft ihren Oberarm. ?Was ist bloß in dich gefahren??
Sam sah ihn an. ?Vielleicht der Teufel??
?Red nicht so einen Blödsinn. Was soll das??
Sie sah den besorgten Blick in seinen Augen. ?Ben, möchtest du mit mir nach Kanada gehen??
?Was soll das denn jetzt??
?Ich hab dir eine Frage gestellt.?
?Du forderst hier gerade unschuldige Leute zu einem gemeinsamen Mord auf. Da willst du nicht ernsthaft eine Antwort auf diese Frage.?
?All die Jahre hat es dich nicht gestört, dass du mich beim Morden unterstützt hast. Wo kommen denn plötzlich deine moralischen Bedenken her??
Er sah sie völlig ratlos an. ?Sam, du bist mir fremd.?
?Vergiss es Ben. Du brauchst die Frage nicht zu beantworten.?
?Wieso denn das??
Sam trat ihre Zigarette auf dem Waldboden aus. ?Weil du sie schon beantwortet hast.?
Sie ließ ihn stehen und ging zu ihren Auftraggebern. Der Schweizer Bankier trat auf sie zu, er war wohl zum Sprecher ernannt worden oder hatte sich selbst dazu gemacht, logisch.
?Sie erwarten hoffentlich keinen Dank. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Wir kümmern uns selber um das Schwein.?
Sam sah an ihm vorbei. Die anderen Eltern blickten betreten zu Boden. Wortlos drehte sie sich um. Ben saß bereits hinter dem Steuer des Volvos. Sam setzte sich neben ihn. Langsam wendete er den Volvo und fuhr an.
?Lass die Fenster runter.? bat Sam ihn.
Ben betätigte die elektrischen Fensterheber. Langsam glitt der Volvo durch die Nacht. Aus der Ferne konnte Sam schrille Schreie hören. Summersby oder die rachedurstigen Eltern - ihr war es egal. Sie lehnte den Kopf zurück und schloss die Augen. Ihr letzter Auftrag, nie wieder Showtime.

Sam steuerte den Landrover hinter der kanadischen Grenze auf den erstbesten Parkplatz. Ihr letzter Auftrag lag Wochen zurück. Die Erinnerungen an den mysteriösen Vorfall in Dicks Hütte verblassten. Ihr Schlaf war tief und traumlos.
Fröhlich beschwingt sprang sie aus dem Jeep und lief dem parkenden Mercedes entgegen. Ben stieg aus. Sie warf sich in seine Arme. Er drückte sie kurz und hielt sie dann mit seinen langen Armen auf Abstand.
?Sam, willst du es dir nicht noch einmal überlegen. Ich könnte ...?
Sie legte ihm einen Finger auf die Lippen. Energisch schnitt sie ihm das Wort ab. ?Nein. Wir haben darüber gesprochen, Ben. Ich möchte mit meinem alten Leben abschließen. Wenn die Farm es nicht schafft, dass ich zur Ruhe komme, werde ich erst mal eine richtige Therapie in Angriff nehmen. Wenn ich soweit bin, bist du der Erste, bei dem ich mich melden werde, versprochen.?
Zweifelnd musterte er sie. ?Versprochen??
?Versprochen.?
Er umarmte sie heftig. ?Pass auf dich auf.?
Sam strahlte ihn an. ?Versprochen.?
Sie löste sich schnell und eilte zu ihrem Jeep. Er sollte die Tränen nicht sehen, die sie so krampfhaft zurück hielt.
Mit dröhnendem Motor sprang der Landrover an. Samantha schaute auf ihre beiden Reisetaschen und den Kaffeeautomaten von Tonino. Sie hatte es nicht übers Herz gebracht, das Geschenk zurück zu lassen.
Die Farm war komplett ausgestattet. Was noch fehlte, würde sich Sam in Kanada besorgen. Sie war reich, sie war unabhängig und sie war frei. Glücklich fuhr sie ihrer neuen Zukunft entgegen. Sie würde Schafe halten und Hütehunde züchten. Im Internet hatte sie gelesen, dass sich der türkische Kangal nur hauchdünn vom Wolf unterschied. Sie freute sich auf die Herausforderung, mit dieser Rasse zu arbeiten. Doch zuerst musste sie die lange Fahrt zu ihrer Farm hinter sich bringen, sie lag noch mindestens eine Tagesfahrt entfernt. Nur keine Hektik.
Ben hatte ihr eine wasserdichte, neue Identität verpasst. Sie hatte sich gegen seine Bedenken durchsetzen können und hieß nun Samantha Jones. Der Name fühlte sich gut an. Also, auf Miss Jones, ihr neues Leben wartet.

Es war schon dunkel, als Sam erschöpft aber glücklich auf das Gebäude der Farm zufuhr. Sie hatte ihre Sehnsucht nicht zügeln können und war ohne Pause durchgefahren. Dem Jeep hatte sie alles abverlangt und war stolz, nur die Hälfte der Zeit benötigt zu haben, um an ihr Ziel zu gelangen. Sie hatte weder gegessen noch etwas getrunken und ihre Blase drückte.
Das Gebäude lag dunkel vor ihr. Morgen würde sie es genau in Augenschein nehmen. Die Scheinwerfer des Landrovers malten zwei helle Kreise auf die Backsteine des Gebäudes. Erst mal die Toilette einweihen.
Hastig stieß sie den Schlüssel ins Schloss und betrat ihr neues Reich. Voller Vorfreude tastete sie nach einem Lichtschalter. Im Eingangsbereich fand sie keinen. Blind stolperte sie in der Dunkelheit nach vorne. Wenn sie den Grundriss richtig in Erinnerung hatte, lag vor ihr das Wohnzimmer. Sie trat durch eine offene Tür. Wo war denn der verdammte Lichtschalter? Sam presste die Beine zusammen. Sie wollte nicht in die Hose pinkeln, aber langsam wurde es echt Zeit.
Vor ihr flammte ein Licht in der Dunkelheit auf. Sam starrte fassungslos auf einen kahlen Schädel und unnatürlich helle Augen. Brutus.
Er zündete sich eine Zigarette an und grinste Sam böse zu. ?Hallo Goldkopf.?
Sie spürte, wie sich ihre Blase entleerte und den Stoff ihrer Jeans benässte. Das Feuerzeug erlosch. In der Dunkelheit hörte sie sein raues Flüstern.
?SHOWTIME?

- Ende -

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