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Das Unkontrollierbare

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Kurzgeschichten

 
Das Unkontrollierbare
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17

Nach einem Umzug fällt es dem Mädchen schwer, neue Freunde zu finden. Irgendwann gerät es an ein e-Sekte, für welche sie sich beweisen soll.
Als ihr dies zum wiederholten Male nicht gelingt, keimt in ihr die unkontrollierbare Wut und sie beginnt ihre Rache zu planen...

Kurzgeschichte aus der interessanten Ich-Erzähler-Perspektive.

 
 


Das Unkontrollierbare


Diese Geschichte ist allen interessierten Lesern und Leserinnen gewidmet.

 

Und da war es wieder soweit... obwohl ich gedacht hatte, dass ich es heute schaffen würde, bekam ich doch wieder Angst und machte einen Rückzieher. Das Gelächter war wie immer groß und ich rannte unter Tränen nach Hause. Die Wut stieg wie die Lava in einem Vulkan in mir auf.

Am nächsten Morgen sah dann alles schon wieder anders aus. Als ich nach unten in die Küche ging, erwartete mich dort meine Mutter mit einem Berg Pfannkuchen. Diese waren mein Leibgericht. Ich setzte mich zu ihr an unseren Küchentisch und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Wiedereinmal fiel mir auf, dass dort nichts zusammenpasste. Weder unser großer Marmorküchentisch zu den roten Wandschränken, noch zu der gelben Spülmaschine oder den blauen Fenstern. Alles sah aus, als ob jemand blind irgendwelche Farben ausgewählt hatte. Meiner Mutter aber gefiel es und so wollte ich mich auch nicht einmischen.
Ich überlegte einen Moment, ob ich ihr von den Geschehnissen am vorherigen Tag erzählen sollte, aber ich ließ es lieber, da ich schließlich schon alt genug war, um mit solchen Problemen selbst fertig zu werden.
Ich aß meine Pfannkuchen und trank meine Milch und als ich aufgegessenen hatte, erklärte meine Mutter mir, dass sie noch unbedingt ein paar Dinge in der Nachbarstadt einkaufen musste. Das passte mir sehr gut, da ich dann meine Freundin ungestört anrufen konnte, um sie um Rat zu fragen.

Kapitel 2


Ich lag auf meinem Bett, den Telefonhörer am Ohr, und fluchte laut. Aus dem Telefon hörte man nur eine Stimme die sagte, dass ich mich beruhigen sollte, aber das ging einfach nicht. Zu sehr hatte ich mich diesmal blamiert, zu sehr hatten sie gelacht und zu sehr kochte die Wut in mir. Sie fuhr durch alle meine Gliedmaßen und ich fühlte mich, als würde ich im nächsten Augenblick implodieren..
?Jetzt bleib mal ruhig!?,
kam aus dem Telefon und erst jetzt merkte ich, dass ich begonnen hatte schwer zu atmen. Als ob man einen Schalter umgelegt hatte, wich die Wut wieder und ich antwortete: ? Ja, du hast recht. Aber sag mir, was ich tun soll!? Sie halten mich alle für einen Feigling und du weißt wie ich das hasse.? Es stimmte wirklich. Ich war nicht besonders mutig, aber feige sollte mich keiner nennen.
Wir waren vor ein paar Monaten hierher gezogen und ich kannte noch niemanden, dem ich vertrauen würde, in der Umgebung. Ich ging in eine neue Schule und dort war alles anders als ich es kannte. Das häufigste was ich dort hörte war: ?Hier herrscht das Gesetz der Straße! Fressen oder gefressen werden!? Das war einfach nicht meine Welt...
Meine Freundin riet mir die Sache zu vergessen und einfach nach draußen zu gehen, um neue Freunde zu finden. Sie selber wohnte ja noch in meiner alten Stadt und so fiel es ihr leicht solche Reden zu schwingen. Ich bedankte mich aber trotzdem und legte auf.


Kapitel 3


?Was tun? Was machen?? Das fragte ich mich die ganze Zeit. Ich konnte das ganze doch nicht einfach so stehen lassen. Schließlich hatte ich es jetzt schon so oft nicht geschafft und diesmal hatten sie gesagt, dass sie es überall erzählen wollten, wenn ich mich wieder nicht trauen würde. Ich fragte mich, ob sie das wirklich getan hatten und dann, wer es jetzt wohl alles schon wissen würde. Auf jeden Fall stand fest, dass wenn die falschen Leute es erfahren, es eine Menge Ärger geben würde.
Ich ärgerte mich zu Tode, dass ich mich auf das Ganze eingelassen hatte, aber nun war es zu spät und ich musste eine Lösung finden...alleine. Es jemandem zu erzählen war einfach zu gefährlich. Selbst meiner besten Freundin hatte ich eine Lüge auftischen müssen, auch wenn sie diese nicht wirklich glaubte, da sie nicht verstehen konnte, dass ich mich so aufregte.
Mittlerweile überlegte ich Tag und Nacht was ich unternehmen konnte, aber mir viel einfach nichts Sinnvolles ein. Ich hatte mir die wildesten Dinge ausgemalt und nur eine Sache schien Sinn zu machen und zwar... nein, dass konnte ich einfach nicht machen, dazu war ich nicht in der Lage. Also verabschiedete ich mich schnell wieder von diesem Gedanken.
Noch immer lag ich auf meinem Bett, als ich unten die Haustür aufgehen hörte und von meiner Mutter um Hilfe gebeten wurde.


Kapitel 4


?Aua! So ein Mist? Glück wie ich hatte war mir die Tüte mit den Einkäufen gerissen und eine Lawine von Dosen mit Erbsen, Möhren und Mais fiel auf meine Füße. Meine Mutter kam um die Ecke gerannt und das erste was sie machte, war anzufangen zu lachen. Empört über ihre Reaktion wollte ich mich gerade beschweren, als ich sah, warum sie lachte. In der Tasche war auch eine Coladose gewesen, die jetzt über den ganzen Hof zischte und von dem Nachbarshund gejagt wurde. Dann kam sie zu mir und half mir. Wir brachten alles ins Haus und meine Mutter erzählte mir, dass sie jemanden aus meiner Klasse getroffen hatte. Ich schreckte zusammen.
?Hatte ihr jemand etwas über die Sache erzählt?!? Mir wurde heiß und kalt und ich spürte, wie es wieder anfing in mir zu brodeln.
Langsam verstand ich auch, warum ich immer zu diesen dämlichen Sitzungen geschickt wurde, so ein Antiagressionsdings. Ich konnte diese Wut manchmal einfach nicht mehr kontrollieren. Schon oft hatte ich dann meine Mutter angeschrieen.
Ich wartete gespannt darauf, dass meine Mutter weitersprach und um das Ganze zu beschleunigen fragte ich: ?Und? Habt ihr euch unterhalten?? ?Ja?, antwortete meine Mutter, ?er hat mir erzählt, dass ihr euch gestern getroffen habt und du weggelaufen bist, als du bei einem Spiel verloren hast. Er wollte wissen wie es dir geht. Was war das eigentlich für ein Spiel?? ?Er???, fragte ich erstaunt, ?wer ist er?? Meine Mutter sagte, dass sie nicht wüsste, wie der Junge hieß und dann fragte sie noch einmal, was es für ein Spiel war.
Mir war jetzt klar, dass ich mir schnell irgendeine Ausrede einfallen lassen musste, da ich ihr um nichts in der Welt die Wahrheit erzählen konnte.
?Ach?, sagte ich, ?das war nur so etwas wie ´ne Mutprobe. Die wollten, dass ich einen Frosch umbringe.?
?Oh man, erzähl´ ich einen Mist?,
dachte ich mir im gleichen Augenblick, ?Hoffentlich glaubt sie mir das!?
Aber sie drehte sich nur kurz vom Herd aus zu mir um, schaute mich an und seufzte. Dann musste ich mir eine halbe Stunde lang ihre Jugendgeschichten anhören und was sie alles für Mutproben gemacht hatte. Ich hörte ihr zu, oder tat zumindest so, und war einfach nur erleichtert, dass sie doch von nichts wusste.


Kapitel 5


Zurück in meinem Zimmer, auf meinem Bett, blieb mir nur noch eine Frage im Kopf und zwar: ? Wer war er?? Er musste auf jeden Fall bei der Aktion dabei gewesen sein, aber warum hatte er meiner Mutter nichts erzählt? Er hätte alles aufdecken können. Vielleicht wollten sie mich einfach schwitzen sehen oder sie wollten, dass ich den ersten Schritt machte. Aber wer wusste das bei solchen Leuten schon. Diese Sache war einfach zu groß für mich, ich hatte mir einfach zu viel vorgenommen. Ich kam aus einer anderen Stadt und kannte so etwas nicht. Ich hatte das alles doch nur gemacht, um dazu zu gehören. Aber eigentlich hatte ich ja gar nichts gemacht... zumindest nicht das was sie verlangt hatten... aber selbst mein `nichts` war wohl schon genug... auf jeden Fall genug um Ärger zu bekomm, aber zu wenig für Sie?
Wie war ich eigentlich an sie geraten? Ich hatte nie etwas mit solchen Leuten zutun. Sie hatten mich einfach angesprochen, als ich allein im Pausenraum stand. Sie meinten, dass ich jemanden bräuchte zu dem ich gehören konnte; eine Art Familie. Ich fand das nicht schlecht und sie waren ja auch sehr nett, anfangs. Aber dann ist alles irgendwie aus den Rudern gelaufen und jetzt stehe ich da wo ich bin, und zwar tief in der Tinte...
Es war mittlerweile spät abends und ich nahm mir vor nicht weiter darüber nachzudenken, sondern lieber schlafen zu gehen.


Kapitel 6


?Warum sitze ich eigentlich hier? Ich habe keine Probleme, da können sie soviel reden, wie sie wollen!?, fuhr ich meine Therapeutin an. Dieses Gerde von ihr ging mir echt auf die Nerven. Sie sprach immer langsam und mit einer Ruhe, die einen wahnsinnig machte. Ich verstand wirklich nicht, was ich dort sollte, schließlich hatte ich mich doch so ziemlich unter Kontrolle. Ich konnte immer so Handeln, wie ich es wollte, aber das schien die Psychotussi nicht zu verstehen. Stattdessen redete sie Stunde um Stunde auf mich ein, so dass ich hinterher mehr Wut verspürte als vor der Sitzung. Meine Mutter bezahlte eine Menge dafür und ich konnte sie einfach nicht davon überzeugen, dass es herausgeschmissenes Geld war. Und so saß ich Woche für Woche auf dem bequemen Ledersessel und sollte alle meine Wehwehchen erzählen. Das einzige, was ich dort tat war die Uhr zu beobachten und mich zu freuen, wenn die Zeit vorbei war. Dann fühlte ich mich so etwas von erleichtert, dass ich hätte Bäume ausreißen können.
Auch heute war es wieder so und als ich mich auf den Weg nach Hause machte, traute ich meinen Augen kaum. Überall waren Leute, die bei der Sache dabei gewesen waren und mich angrinsten. Was war bloß los? Ein heißer Blitz an Zorn durchfuhr mich und ich wünschte mich in meine Sitzung zurück. Ich spürte wie es in meinen Schultern bekann zu kribbeln. Das hatte ich jedes mal, wenn die Wut in mir hochstieg. Es war als wollte sie meine Hände kontrollieren und alle meine Muskeln spannten sich dann an.
Ich begann schneller zu laufen, aber ich spürte noch immer die Blicke im Nacken und am liebsten hätte ich sie alle angeschrieen, dass sie mich in Ruhe lassen sollen. Ich rannte schnell Heim und dort angekommen knallte ich die Tür hinter mir zu und rannte die Treppe hoch in mein Zimmer.


Kapitel 7


Ich wusste, was ich zu tun hatte. Ich musste ihn finden und mit ihm reden. So konnte das nicht weitergehen. Ich konnte nicht mehr schlafen, ich musste Freunde und meine Mutter anlügen und alle Sektenmitglieder grinsten mich an. Ich zog mir meine Jacke an und wollte nach draußen gehen, als der Nachbar zu mir kam und mir ein Paket gab. Ich fragte mich, was wohl darin sein mochte, aber ich hatte kein gutes Gefühl. Ich nahm es also in mein Zimmer und machte es langsam auf. ?Ahhh!!!?, ich schrie auf. In dem Paket befand sich ein Knochen, wahrscheinlich ein menschlicher. Außerdem fand ich einen kleinen Zettel auf dem geschrieben stand: Ein kleines Erinnerungsstück für dich. Wir haben zu Ende gebracht, was DU angefangen hast. Ich wusste natürlich was sie damit meinten und mir war klar, dass ich ihn jetzt sofort finden musste und so machte ich mich auf den Weg.
Ich ging durch die ganze Stadt, noch immer geplagt von den ganzen Blicken, die ich mir aber wahrscheinlich einbildete. Ich konnte noch immer nicht verstehen warum ich bei dem Ganzen mitgemacht hatte. Es war widerlich... das ganze war Leichen- oder Grabschändung und das alles hatte ich nur getan, um angesehen zu werden. Leichenschändung... das war's! Ich musste zum Friedhof gehen und dort würde ich ihn dann wahrscheinlich auch treffen.
Er war der Anführer der ?Gothic Angels?, so wie sie sich nannten. Ich hatte am Anfang gedacht, dass es nur eine harmlose Gruppe war, die gerne schwarze Klamotten trug, aber wie sich herausstellte war es mehr als das. Es war eine Art Sekte, für die ihre Mitglieder bereit waren zu sterben oder alles und jeden zu verraten. Ich hatte mich ihnen angeschlossen, weil ich sie nicht für gefährlich gehalten hatte und weil ich dachte, dass ich mit meinen Wutausbrüchen dort vielleicht hineinpassen würde, aber wie ich gemerkt hatte, lag ich damit total falsch.


Kapitel 8


?James Carter?, las ich auf einem der Grabsteine. Ich sah mich um und ein nicht sehr angenehmes, sondern eher bedrückendes Gefühl überkam mich. Ich sah mich um. Überall Gräber vor denen Angehörige Blumen und Kerzen aufgestellt hatten. Der Friedhof war menschenleer und es herrschte eine Totenstille. ?Wie konnte ich nur..?, dachte ich mir, ?Wie konnte ich nur hier versuchen einen Toten auszubuddeln...wie konnte ich nur...?!? Ein Gefühl der Übelkeit und des Abscheus vor mir selbst stieg in mir auf. Ich ekelte mich vor mir selbst und noch schlimmer fand ich, dass sie es zu Ende gebracht hatten. Ich hatte die Schaufel angesetzt und den Sarg freigelegt, aber nicht mehr. Auch wenn das schon sehr viel war und auch als Grabschändung galt, so hatten sie tatsächlich die Person aus dem Grab geholt und mir einen Knochen davon geschickt... widerlich!!
?Na, du kleiner Feigling, zieht´s dich doch hierher zurück??, hörte ich eine Stimme hinter mir sagen. Ich drehte mich schnell um und sah ihn. Ihn, mit seinen zurück gegelten Haaren, seinem langen, schwarzen Ledermantel, seinen ganzen Armbändern, seinem Oberlippenpiercing, seinen stark geschminkten Augen, ihn, mit seinem leeren, kalten Blick. Wie konnte ich nur zu ihnen gehören wollen?! Ich sah ihn an und alles was ich bisher an Wut verspürt hatte, schien nur eine Vorstufe zu dem gewesen zu sein, was ich jetzt empfand. Ich spürte wie das Blut in meinen Adern pochte und brodelte und wie meine Hände ihn am liebsten erwürgt hätten, aber ich versuchte mich zu beherrschen. Das einzige, was mir durch den Kopf ging war, dass ich wollte, dass dieser Mensch leidet. Dieser Mensch der eine Sekte anführte und diese ins Verderben lenkte, dieser Mensch, der mich einen Feigling nannte.
Dann sagte ich: ?Ja, ich musste einfach hierher zurück. Der Knochen, den du mir geschickt hast... er ist wunderschön. Ich kann verstehen, was du daran so wunderbar findest... ich möchte mich noch einmal beweisen. Bitte gib mir noch eine Chance.? ?Ist das wahr??, fragte er, ?das muss ich mir erst mal überlegen, aber ich werde dir bescheid geben.? Er wollte wieder gehen, aber ich fragte ihn noch wie er heißt und er antwortete: ?Draco Obscuro, das muss dir reichen.? Dann verließ er den Friedhof und ich schaute ihm hinterher.


Kapitel 9


Es war, als hätte dieser Mensch das Fass zum Überlaufen gebracht, denn die Wut in mir bekam einen so heftigen Anschub, dass ich sie fast gar nicht mehr kontrollieren konnte und noch schlimmer, sie verschwand nicht mehr. Es gab nur noch Wut - Wut hier auf dem Friedhof - Wut dort auf der Straße - und Wut selbst zu Hause - egal wo ich mich befand, nichts konnte sie bändigen und ich wollte es auch gar nicht. Ich genoss dieses Gefühl sogar teilweise, da ich mich irgendwie unbesiegbar fühlte.
Eines stand fest: Ich wollte mich rächen. Aber nicht irgendwie, es sollte etwas besonderes sein, etwas wofür man mir Mut zusprechen und nicht mehr sagen würde, dass ich ein Feigling sei und den ersten Stein dafür hatte ich bereits in dem Gespräch mit ihm gelegt.
Ich hatte einen Plan und diesen wollte ich, koste es was es wolle, durchsetzen und so machte ich mich auf, zu der ersten Station meiner geplanten Rache, doch dann viel mir auf, dass ich nicht genügend Geld bei mir hatte und so musste ich erst nach Hause.
Als ich in mein Zimmer kam, merkte ich, dass auch in meinem Sparschwein eine gähnende Leere herrschte und ich wusste nicht, was ich machen sollte, da viel mir das Schlafzimmer meiner Mutter ein. Sie hatte seit längerem Geld gespart, weil sie sich ein neues Auto kaufen wollte und ich wusste zufällig, wo sie dieses Geld aufbewahrte. Aber sollte ich es wirklich wagen ihr Geld zu klauen? War es das wert? Ja, beschloss ich, das war es wert. Schließlich wollte ich mich nie wieder so beleidigen lassen.
Ich schlich also in ihr Zimmer, ging an den Schrank mit der Unterwäsche und kramte herum. Schließlich fand ich wonach ich gesucht hatte, ein ganzes Bündel voller Geldscheine. Ich nahm mir soviel ich brauchte und tat den Rest zurück. Ich nahm mir vor, später mein Taschengeld zu sparen und es ihr wieder zurückzuzahlen, aber zuerst musste ich meinen Plan durchführen.


Kapitel 10


?Ey man, was soll das?!?, schrie ich und schleuderte den Jungen vor mir, von meiner Wut gesteuert, aus der Bahn. Dieser hatte mich angerempelt und dann gemeint mich blöd anmachen zu müssen. Aber nicht mit mir, nicht mehr. Mein Zorn erlaubte mir alles und vor allem, Anderen zu zeigen, dass ich kein Feigling war. Die übrigen Personen in der Bahn beäugten mich misstrauisch, aber das war mir egal. Sie wussten ja auch nicht, wie ich mich fühlte.
An meiner Haltestelle angekommen, stieg ich aus und machte mich auf den Weg. Unterwegs malte ich mir meinen Plan immer weiter aus und er gefiel mir langsam auch immer besser. Ich würde denen schon zeigen, was es hieß mutig zu sein und dann würde keiner mehr über mich lachen. Auf einmal klingelte mein Handy und ich sah, dass es ein Anruf meiner Freundin war. Sie erkundigte sich nach meiner Gesundheit und fragte, ob sie nicht einmal vorbeikommen könnte. Ich sagte natürlich sofort zu, aber einzig und allein um möglichst schnell das Telefonat zu beenden.
Das hatte mir gerade noch gefehlt. Jetzt bekam ich auch noch Besuch und das gerade zu dieser Zeit. Das hieß für mich, dass mein Plan jetzt auch noch eine Zeitbegrenzung hatte, denn meine Freundin dürfte davon nichts mitbekommen, da sie mich sicher nicht verstehen könnte. Eigentlich war mir mittlerweile alles egal. Das Gefühl der Wut, des Zorns und des Hasses hatte sich in mir verbreitet und war in jede Zelle meines Körpers gedrungen. Das Wort ?Rache? hatte sich in mein Herz tätowiert und auch mein Gehirn arbeitete nur noch darauf hinaus.


Kapitel 11


?Draco Obscuro??, fragte der Mann in dem Geschäft mich. ?Ja.?, bestätigte ich ihm, ? Aber beeilen sie sich bitte.? Der Mann sagte, dass es kein Problem sei und die Bestellung in ein paar Tagen fertig sei. Ich bedankte mich und verließ den Laden. Das war jetzt schon einmal erledigt. Blieb nur noch das wichtigste, aber dafür musste ich mich bis zum Abend gedulden.
Ich entschloss mich also ein Eis essen zu gehen, um die Zeit zu vertreiben. Was ich nicht ahnen konnte war, dass ich dort jemanden treffe, der meine ganze gute Laune wieder mit einem Mal verschwinden lassen würde. Es war Draco. Ich saß an einem Tisch, als er vorbeikam und sich zu mir setzte. Mir wurde heiß, vor Wut, und er fragte mich, ob ich krank sei, als er sich niederließ. ?Nein?, antwortete ich, ? mir wird in deiner Gegenwart immer angenehm wärmer... wenn du verstehst was ich meine.? Dabei warf ich ihm einen verführerischen Blick zu und er schien verstanden zu haben, denn er grinste mich hämisch an und sagte: ?Glaub mir, dass geht vielen so, aber bei dir ist es mir ernster. Ich gebe dir übrigens noch eine zweite Chance und das übermorgen Nacht auf dem Friedhof. Und wenn du willst kannst du dem Sensenmann danach noch ein bisschen die Klinge putzen...? Bei dem letzten Satz hatte er ein solch verlangendes Grinsen auf dem Gesicht, dass wieder Übelkeit in mir aufstieg und so konnte ich ihn nur anlächeln und leicht mit dem Kopf nicken. Ihm schien das zu reichen und so verließ er meinen Tisch wieder. Ich atmete auf und bestellte mir ein zweites Eis, da meins jetzt schon zur Hälfte geschmolzen war. Als ich aufgegessen hatte, wusste ich nichts Besseres mit meiner Zeit anzufangen, als nach Hause zu gehen und schon alle Vorbereitungen zu treffen.


Kapitel 12



Ich schlich jetzt, bewaffnet mit Eimer, Schaufel und Spaten auf dem Friedhof entlang. Meiner Mutter hatte ich gesagt, dass ich bei einer Freundin übernachten würde. Ich lief umher und suchte nach einem Grab. Vor einem Grabstein blieb ich stehen und las den Namen ?James Carter?. Das war das Grab nach dem ich gesucht hatte. Warum gerade dieses spezielle Grab? Ganz einfach, es hatte den bei weitem kleinsten Grabstein.
Ich legte meine Sachen nieder und räumte die Blumen von dem Grab herunter. Eine Stimme in mir sagte, dass das falsch war was ich tat, aber diese Stimme war so leise, dass sie von dem unkontrollierbaren Gefühl der Wut einfach überrollt wurde und so setzte ich zum ersten Spatenstich an. Ich achtete darauf, dass niemand kam, aber da hatte ich Glück, da diesen Friedhof wohl fast nie jemand besuchte. Ich grub weiter, bis der Spaten auf etwas Festes stieß, und zwar den Sarg. Ich kniete mich hin und arbeitete jetzt mit der Schaufel weiter, bis der Sarg freigelegt war. Ich bereute es kein Trinken mitgenommen zu haben, da ich wie wild schwitzte, aber das war mir egal.
Ich zerrte am Sargdeckel und ich hatte Glück, da dieser sich ziemlich leicht öffnen ließ. Ein fürchterlicher Gestank aus Verwesung, Leiche und Ungeziefer kam mir entgegen. Die Leiche war schon bis auf ein paar Hautfetzen zersetzt und der Totenschädel starrte mich unheimlich an. Ich schluckte ein paar Mal, bis ich hineingriff und die Leichenteile herausholte. Ich tat sie soweit es ging in den Eimer und den Rest legte ich daneben. Den Totenschädel legte ich beiseite. Etwas in mir sagte, dass ich diesen vielleicht später noch brauchen könnte. Dann machte ich den Sarg wieder zu und schaufelte die Erde in das Loch zurück.
Doch was sollte ich jetzt mit den Leichenteilen machen? Ich hatte keinen Müllbeutel oder Ähnliches dabei und so überlegte ich hin und her. Mein Blick fiel auf das benachbarte Grab und so musste ich nicht mehr lange nachdenken. Ich sah auf die Uhr und merkte, dass ich mich beeilen musste, um vor Sonnenaufgang fertig zu werden.
Ich schaufelte das andere Grab also auch frei und versuchte den Grabdeckel zu öffnen. Dieser war allerdings mit schweren Eisennägeln verschloss worden und so war es unmöglich ihn ohne Werkzeuge zu öffnen. In der Ferne sah ich auch schon die ersten Sonnenstrahlen und so warf ich alle Knochen in das Grab hinein und schaufelte die Erde wieder rauf. Den Totenschädel versteckte ich in einer Hecke und beinah hätte ich vergessen die Blumen wieder auf  ...
Seite: 1 von 5
©Ira-Katharina Peter
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