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Kurzromane
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... Hände an sein Gesicht und schmiegte seine Wange an ihren Handrücken. Elena schloß wie unter Zwang die Augen und erschrak vor dem tiefen Schmerz, der ihr Herz durchzuckte, wie die Vorahnung einer kommenden Katastrophe. Trotz aller Angst war das Gefühl von so einer melancholischen Süße, dass sie nicht wagte sich zu rühren, weil sie fürchtete diesen wunderbaren Augenblick zu zerstören. So saßen sie lange ruhig nebeneinander. Es war kein unangenehmes Schweigen, sondern so, als ob sie sich ohne Worte verstünden. Nach langer Zeit unterbrach er mit sanfter Stimme die Stille und sagte: „Ich habe zwar über einen jungen Priester herausgefunden, daß du der Heilpriesterin hilfst, aber ich weiß immer noch nicht deinen Namen. Ich bitte dich, sage ihn mir, damit ich weiß, wie ich das Mädchen aus meinen Träumen nennen darf.“ Elena sagte leise: „Mein Name ist Elena, aber du mußt mir auch deinen sagen.“ „Angelo heiße ich, denn mein Großvater heißt so und er kam von Italien als Händler übers Meer. Ihm muß es ergangen sein wie mir, denn er traf hier ein wunderbares Mädchen, kehrte nie mehr in seine Heimat zurück und blieb bis zu ihrem Tode hier bei ihr.“ Erschrocken ließ Elena plötzlich seine Hände los und sprang auf. Die Abendröte hatte den Himmel überzogen und es mischten sich leuchtende violette Streifen hinein, die bereits die Nacht ankündigten. „Ich muß sofort gehen, das Abendessen ist schon vorbei und die Andacht hat begonnen, hoffentlich hat man meine Abwesenheit nicht bemerkt.“ Sie eilte davon, nicht ohne einen sehnsüchtigen Blick zu Angelo zurückzuwerfen. Er rief ihr nach: „Ich werde jeden Abend hier auf dich warten, bis ich dich wiedersehe!“ Dann war ihre schlanke Silhouette hinter den Mauern der Gärten verschwunden.
Die Strafe
Elena schlich sich durch die Dämmerung und glitt vorsichtig an den Säulen vorbei, die die große Halle säumten, in welcher die Abendehrung des Gottes stattfand. Ganz leise kroch sie, zwischen den Säulen hindurch, in die Reihe der Mädchen, die sie mit keiner Silbe verrieten. Sie wollte schon erleichtert aufatmen, als sie vor ihrem auf den Boden gesenkten Haupt die Sandale einer Priesterin sah, die wütend mit den Zehen den Boden klopfte. „Wo ...
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©Elena Merz
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