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Zehn Kurzgeschichten

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Kurzgeschichten

 
1. Bassena - Freundschaft
2. Die menschliche Seite
3. Künstlerkarriere
4. So gesehen
5. Ländliche Tracht
6. Modetiere
7. Weihnacht springt aus mir heraus
8. Wendepunkte
9. Ein Zo - ocktail
10. Zwei Welten
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... Gast zu Gast und überreichte Fotografien seines verunglückten Sohnes.
Im Schankraum, als ich nach meinem Mantel griff, sah ich den Professor neben mir.
Auch er war am gehen.
Es war ein kalter, feuchter Herbstnachmittag und schon ziemlich dämmrig.
Das Laub verschmierte den Gehsteig, und die Straßenlampen ließen die Allee als einen dumpfen Silbertunnel erscheinen.
Wir folgten den Wolken unseres ausgestoßenen Atems.
"Geschichte und Geografie", sagte er und wollte gleich wissen, ob er bei der Einschätzung meiner Person ebenfalls richtig lag.
"Ein Junge aus der Nachbarschaft - zuerst Aufpasser, wenn die Eltern abends weggegangen sind, und später dann in der Älteren-Bruder-Rolle..." "Stimmt", sagte ich.
"Man merkte ihm an, dass es da jemanden gegeben hat, der ihn stark beeinflusste - auch ein junger Mensch, aber um einiges älter. Ein Leitbild, wie man so gemeiniglich sagt".
Ich konnte mich nicht zurückhalten und wiederholte es mit einem ironischen Unterton : "Leitbild- akzeptierte er so etwas überhaupt ?" "Nicht so leicht. Er war sehr, sehr eigenständig für sein Alter, fast schon mit einer klaren Vorprogrammierung für eine ferne Zukunft ausgestattet...wenn sie verstehen, was ich damit meine".
Ich erhielt einen forschenden Blick, dann war er sich meiner Auffassungsgabe sicher und fuhr fort : " Aber lieber ein harter Knopf mit vielen selbständigen Zügen als ein Duckmäuser, ein verwöhnter Bengel - oder gar ein verwirrter Jungterrorist".
"Also geht er ihnen doch ab, obwohl sie während der Rede soviel Zustimmung gezeigt haben, besonders als das Leben aus der Sicht desjenigen beleuchtet wurde, der es knapp hinter sich hat..." "Natürlich vermisse ich ihn".
"Als Vorbild für die Rabauken und die Kriecher in ihrer Schule..." Ich wusste gleich, dass er stehen bleiben würde. Wir waren gerade unter einer Lampe angekommen. Ich sah ihn sehr direkt an.
"Jeder Verstorbene geht einem ab , solange die Erinnerung noch wach ist. Für mich ist das aber beileibe kein Grund zur Selbstbemitleidung. Und was die Vorbild-Funktion anlangt, soll doch jeder Erzieher stets bestrebt sein, das Niveau der Charakterbildung seiner Zöglinge hochzuhalten beziehungsweise anzuheben".
Wir gingen weiter.
 "Was sie für ihn darstellten, war er für seine Mitschüler. Ohne rührselige Übertreibung muss ich sagen, dass er ein Fels war in der Klasse, ein Meinungszertrümmerer, ein Meinungsbildner, ein Herausforderer, der selbst ständig herausgefordert  ...
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©Heinz Körber
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