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Softball

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Kurzgeschichten

 
Softball

Die Geschichte spielt im Intellektuellenmilieu von NY.
Ein junges Paar, Liz und Tim, hat sich auf einer Party am Tag zuvor vor aller Augen gestritten und spielt nun mit einigen Zeugen des Vorfalls in Brooklyn Softball.
Die einzelnen Mitspieler machen sich jeweils ihre Gedanken über das Paar und auch die beiden wissen, dass sie beobachtet werden. Die Situation spitzt sich zu als Liz als Schlägerin und Tim als Werfer sich direkt gegenüber stehen und alle gespannt auf dieses "Duell" Blicken.

 
 

Softball


 
Liz nahm das Schlagholz und ging auf ihre Position. Es war ihr anzusehen, dass sie keine Lust dazu hatte. Sie war eine gute Läuferin, auch als Fängerin machte sie keine schlechte Figur, aber mit dem schweren Schläger hatte sie ihre Mühe. Ihr schien es, als wäre es mehr oder weniger schieres Glück, wenn sie den Ball traf. Aber was half es, sie war an der Reihe.
Mürrisch blickte sie über den Platz. Ihre Laune wurde zusätzlich dadurch getrübt, dass ausgerechnet auch noch Tim auf der Position des Werfers stand. Die anderen würden sich ins Fäustchen lachen, dessen war sie sich sicher, vor allem Ross, der aus seiner Schadenfreude noch nie einen Hehl gemacht hatte. Für Ross war es bestimmt ein besonderer Genuss, sie und Tim in dieser Situation zu sehen. Der erfolglose Poet und seine hysterische Freundin Aug in Aug als direkte Gegenspieler und das auch noch nach dem gestrigen Abend, an dem sie Tim vor fast allen, die heute hier mitspielten, diese Szene gemacht hatte. Für Ross war das bestimmt ein Fest. Ihr war, als könnte sie die lüsternen Blicke des schweren Mannes spüren, der irgendwo hinter ihr auf dem Rasen saß und wahrscheinlich irgendetwas in sich hineinstopfte, wie er es eigentlich immer tat. Sie schüttelte sich innerlich bei dem Gedanken, dass sie mit dem Kerl im Bett gewesen war und das erst vor kurzem. Warum machte sie bloß so bescheuerte Sachen in letzter Zeit? Gut, es war ein Unfall, aber ihr war klar, dass irgendein Bedürfnis von Rache an Tim dabei mitgespielt hatte.
Was war bloß los mit ihr? Was stimmte an der Beziehung zu Tim nicht mehr? Sie sah zu ihm herüber, das erste Mal seit gestern abends sah sie ihn wieder richtig an. Er wirkte so zerbrechlich in seinen schlaksigen Hosen und dem ausgeblichenen T-Shirt. Sie wusste, der Eindruck täuschte, ihr Freund war ziemlich sehnig und muskulös. Vielleicht war das schon alles, was sie den anderen hier an Wissen über Tim voraushatte. In letzter Zeit fragte sie sich immer wieder, ob er ihr nicht fremd geworden war. Er konnte stundenlang zu Fuß durch die Stadt streifen, um zu dichten, wie er sagte. Wenn sie ihn fragte, wo er gewesen war, sagte er, er könne sich nicht erinnern. Das glaubte sie ihm sogar, aber aus einem ihr selbst unerklärlichen Drang, ihn zu beschützen, war nach und nach Wut geworden. Seine Weltfremdheit, seine Introvertiertheit war dann für sie nur Bequemlichkeit. Und dann der Vorfall gestern. Es hätte eine wirklich nette Party sein können. Aber warum musste er sie mit diesem Satz auch derart provozieren. Liz umfasste den Griff des Schlagstocks fester und spürte den Zorn in sich erneut aufsteigen. Sie drehte sich noch einmal um, eher zufällig, doch unweigerlich fiel ihr Blick auf ihren Liebhaber, der ihr aufmunternd zuwinkte und "Zeigs ihm" rief. Sie zuckte vor Abscheu innerlich zusammen. Mach dir bloß keine Hoffnung auf eine Wiederholung mein Lieber. Du magst ja eine Koryphäe auf Deinem Gebiet sein, aber ehrlich gesagt interessiert mich die zeitgenössische amerikanische Literatur nicht, und sexy bist Du leider gar nicht, - Du bist nicht mal gut im Bett.
Sie drehte sich wieder zu Tim, der lustlos mit dem Ball in seiner Hand spielte und darauf wartete, dass sie die Position zum Schlag einnahm. Liz beugte sich nach vorn und legte den Schläger an den Oberarm, um zum Schlag auszuholen.

In diesem Moment beschloss Ross, sie nach dem Spiel doch noch anzusprechen. Ihm gefielen die Beine von Liz. Wenn sie sich so bückte wirkten sie noch länger, außerdem streckte sie dabei ihren Hintern so viel versprechend heraus. Wer weiß, mit Tim schien es nicht mehr allzu gut zu laufen. Vielleicht konnte man auf dem letzten Mal aufbauen. Zugegeben, sie waren damals beide ziemlich besoffen gewesen, aber immerhin, es hatte doch Spaß gemacht, - ihm jedenfalls. Er wischte sich das Fett eines Hamburgers aus dem Bart und richtete sich auf. Erst jetzt fiel ihm die Pikanterie der Spielsituation auf. Da stand dieser Tim, dieses Gerippe, hochintelligent, hochbegabt, aber unfähig zum Leben. Arrogant war er noch dazu, sonst hätte er sich wohl kaum die Chance entgehen lassen, seinen "Brodkey" zu rezensieren. Ross hatte ihm den Vorabdruck damals als einem der ersten gegeben, freilich ohne ihn ausdrücklich um eine Besprechung zu bitten, aber er hatte doch fest damit gerechnet, denn das gehörte seiner Ansicht nach zu den akademischen Gepflogenheiten. Ihn ärgerte diese kommentarlose Entgegennahme umso mehr, als Tim schon einige Bücher besprochen hatte, unter anderem in der New York Review of Books. Auch jetzt schoss ihm bei dem Gedanken an Tims Verhalten für einen Moment wieder vor Groll das Blut ins Gesicht. Gut, vielleicht war das Buch nicht Putlitzer-verdächtig, aber den Gefallen hätte er ihm ruhig tun können. Die Affäre mit Liz könnte ihn natürlich mit Genugtuung erfüllen, aber sie tat es nicht wirklich.
Was bildete sich dieser Mann eigentlich ein? Sprach Altgriechisch, Hebräisch, kam aber mit seiner Frau nicht klar, dabei beneidete ihn jeder Mann um Liz. Sie hatte so etwas aufreizendes, provinziell-ordinäres an sich. Ein Arbeiterklasse-Typus oder eher Midwest-Farmerstochter-Charakter aus einem sozialkritischen Roman. Steinbeck hätte sie als Figur entwerfen können, wenn er etwas für Frauen als Heldinnen übrig gehabt hätte. Ihm fehlte einfach das Einfühlungsvermögen in weibliche Denkmuster, anders als Sinclair Lewis. Gegen Lewis sprachen der unverkennbare proletarische Zug an Liz, ihr mangelndes Stilbewußtsein. Ross kannte sie nicht anders als in Bluejeans. Ja vielleicht war Liz eine Mischung aus den Protagonistinentypen bei Steinberg und Lewis.
Hinzu kam freilich noch eine gehörige Portion Unreife und ihre allgegenwärtige Aura von Nervosität, die sich schlagartig entladen konnte, so wie gestern Abend. Diese peinliche Szene war mal wieder der Beweis für ihre Komplexbeladenheit gewesen. Worum ging es eigentlich noch? Der Professor versuchte sich zu erinnern. Es kostete ihn einige Mühe den Anlass zu rekonstruieren, die Sache erschien ihm schon an dem betreffenden Abend als ärgerlich banal. Irgendetwas mit einer Vergewaltigung eines Kindes, war es nicht so etwas?
Er sah sich fragend um, aber von den anderen in seiner Nähe wollte er keinen ansprechen. Sam, die in ihrer schrillen Westküsten-Art wie üblich alle um sich herum platt redete, hatte sowieso nichts mitbekommen. Ross mochte sie nicht. Diese Frau hatte gar keine andere Wahl als im Beruf erfolgreich zu sein. Als Mann der Literatur wie er sich sah, pflegte er eine unreflektierte Geringschätzung für das Fernsehen und alle Leute, die damit zu tun hatten. Als Produktionsassistentin hatte Sam bei ihm daher von vornherein einen minderwertigen, kulturlosen Beruf. Hinzu kam, dass sie aus Kalifornien stammte, und von daher schon in seinen Augen nur oberflächlich sein konnte. Besonders störte ihn aber ihre stete gute Laune, die seiner Ansicht nach nur zur Schau getragen sein konnte.

Sam merkte wie Ross zu ihr herüber blickte. Sie beeilte sich ihm ein Lächeln zu verpassen, ohne ihren schmutzigen Witz über Custers letzte Gedanken zu unterbrechen, auf dessen Pointe die zwei süßen Jungs von der Columbia sichtlich brannten.
"Die Künstlerin enthüllt das Bild und die Honoratioren erstarren, es zeigt unzählige Indianer beim Sex, in den schweinigsten Positionen, sie treiben es von oben, unten, hinten, vorne. Der Auftraggeber fährt empört die Malerin an. Was sie sich dabei gedacht hätte. Die versteht die Aufregung nicht. Sie hätte den Auftrag Ernst genommen. Was wird Custer wohl in seinem letzten Moment gedacht haben: - Fucking Indians!
Sam blickte triumphierend auf ihr Publikum. Das prustende Gelächter der beiden Studenten gefiel ihr, überhaupt gefielen sie ihr, sie musste sich noch entscheiden, welchen von beiden sie nachher zum Essen einladen würde?
Sie schaute zum Spielfeld. Dort schlug Liz gerade ungeschickt am Ball vorbei.
Dummchen, dabei hatte Dir Tim doch den Ball auch noch besonders lasch zugeworfen. Das hätte Dir mal bei uns zu Hause passieren sollen, da wärst Du unten durch gewesen.
Ross brüllte amüsiert: Out!
Widerwärtiger Kerl, dachte Sam. Bildete sich etwas darauf ein, Professor zu sein und ein Buch geschrieben zu haben. Damit kannst Du Deinen Seminaristinnen vielleicht imponieren. "Warum ich nicht wie Brodkey schreibe", welch ein geistreicher Titel, "schreiben kann" wäre wohl treffender gewesen, so munkelt man.
Dieser Typ hatte immer etwas Anzügliches im Ton, besonders war ihr das aufgefallen, wenn er mit Liz sprach. Ob da etwas zwischen den beiden war? Sie war sich fast sicher. Tim tat ihr leid, er war zu gut für die Welt. Es hatte sie gestern gefreut, dass er mal aus seiner Haut gefahren ist. Damit hatte er alle verblüfft, insbesondere Liz, die ihr mit ihrem oberflächlichen Feminismus auf den Geist ging. Männer sind einfach zum Kotzen baby, aber ein Vibrator ist leider so schrecklich unkommunikativ. Diese Diskussion auf der Party hätte ihr gefallen, wenn sie nicht selbst die Gastgeberin gewesen wäre, denn sie hatte eine Vorliebe für Provokationen. Da der Abend durch den Streit auf der Kippe stand, war sie leider dafür verantwortlich gewesen, dass es nicht zum Eklat kam. Aber diese herrlich sinnlose Metapher passte zu Tim, es passte jedoch nicht zu ihm, sie in der Öffentlichkeit zu erklären. Von einem Irren mit vorgehaltener Waffe vor die Entscheidung gestellt zu werden, entweder seine Tochter zu vergewaltigen oder sie eigenhändig zu erschießen, ist zwar in New York keineswegs eine absolut abwegige Situation, abwegig ist aber, dass ein Mann in so einer Situation einen hoch bekam. Dass die gute Liz natürlich den Tod der Kleinen forderte war klar, von der Simone de Bouvoir des Village war nichts anderes zu erwarten. Was für eine spießbürgerliche Moralistin Liz doch war, aber ihren Freund mit diesem fetten Angeber zu betrügen, igitt..... Tja, such is life.
Sam hatte für einen Moment vergessen, sich ihren Verehrern zu widmen. Durch die Bemerkung, sie habe überlegt, ob ihr Witz political correct sei und die prompte Feststellung "Gott sei Dank nicht" machte sie das wieder wett. Sie wusste, anders als Liz konnte sie nicht durch ihre bloße Präsenz gewinnen, sondern musste dafür hart arbeiten. Es blieb ihr nur ihr Witz und ihr Charme, etwas worum sie viele beneideten, doch was sie gerne für ein bisschen jener auf Männer so attraktiv wirkenden Zerbrechlichkeit, die Liz ihrer Meinung nach besaß, hergeben würde. Frauen werden im Gegensatz zu Männern zum großen Teil wegen ihrer Schwächen geliebt. Sie wusste, sie war eher das Mannweib. Ihr war noch nie etwas geschenkt worden.

Liz stieg die Hitze in den Kopf. Sie wischte sich über die Augen und lüftete ihre Baseballmütze. Sie hasste sich dafür, heute hierher gekommen zu sein. Sie hätte zu Hause bleiben sollen, nach dem gestrigen Abend wäre es das Beste gewesen. Sie fühlte sich beobachtet und damit hatte sie noch nie umgehen können. Warum begab sie sich immer wieder in Situationen, in denen sie überfordert war. Sie wusste, sie brauchte Erfolg, sie brauchte Anerkennung. Nur deshalb machte sie diesen Knochenjob in der Redaktion. Sam dahinten, die hatte Erfolg, für die galt der Spruch "geht nicht, gibt's nicht". Wie die wieder mit den beiden gutaussehenden Burschen turtelte. Alles schien bei ihr so mühelos. Sam hatte ihr Leben im Griff, vielleicht, weil sie keinen festen Freund hatte.
Sie schaute zu Tim. Sie hatte wohl bemerkt, dass er ihr eine Chance hatte lassen wollen und den Ball in hohem Bogen zu ihr geworfen hatte. Ja, er wollte es ihr leicht machen, typisch Tim, der Pädagoge, der Weise. Sie spürte die Wut in sich aufs Neue. Warum nahm er sie nicht für voll? Erst musste er sie gestern verletzen und jetzt wollte er sie mit Geschenken besänftigen. Sie versuchte sich auf das Spiel zu konzentrieren. Zwei Versuche hatte sie noch. Doch dieses Holzstück in ihrer Hand war ein Fremdkörper. Sie konnte die Distanz zum Ball einfach nicht richtig einschätzen, hinzukam, dass der Schläger in ihrer Hand immer schwerer wurde. Sie dachte an die Worte ihres Vaters: "Du bist nicht unsportlich, Kleines, aber Du hast leider überhaupt kein Ballgefühl." Dabei traten ihr die Tränen in die Augen.

Tim tat seine Freundin leid. So wie sie versuchte mit betont lässigen Gesten entspannt zu wirken trat ihre ganze Unsicherheit umso deutlicher hervor. Er wusste, dass sie in dieser Situation innerlich verging. Doch was sollte er tun, mehr als den Ball zaghaft und im hohen Bogen zu werfen war ihm nicht möglich. Ihm fiel auf, dass er eigentlich immer Mitleid mit ihr empfand. Doch sie wollte Liebe kein Mitleid. Er hatte einmal gedacht, Mitleid sei eine Form von Liebe, doch das war falsch. Was ist Liebe? - frei zu sein ohne einsam zu sein? Einsam fühlte er sich solange er denken kann, frei noch nie. Konnte er überhaupt lieben? Er zweifelte daran, mehr denn je. Diese Zweifel störten ihn nicht um seinetwillen, nicht mehr, aber es tat ihm Leid um Liz. Liz brauchte ihn, dass wusste er. Er bildete sich nichts darauf ein, im Gegenteil, manchmal belastete es ihn, denn er fühlte sich dieser Verantwortung im Grunde nicht gewachsen. Aber er wusste, auch er brauchte sie, so paradox es klang, sie vergewisserte ihn der Banalität seiner Existenz, - und rechtfertigte sie. Ohne sie wäre er schon längst wahnsinnig geworden. Sie war die einzige Nähe, die er auf Dauer ertragen konnte. Der Angriff gestern Abend war unfair von ihm gewesen und er tat ihm leid. Er wäre der letzte gewesen, der es fertig gebracht hätte, ein Kind zu vergewaltigen. Er hätte sich in dieser Situation wahrscheinlich in die Waffe des Erpressers gestürzt, nicht weil er ernsthaft mit einer Überwältigung gerechnet hätte, sondern weil er sich mit seinem Tod der Entscheidung hätte entziehen können. Aber wen interessierte das eigentlich. Die smarte Sam, die nur Angst um ihre Party hatte, oder diesen Blödian von Ross, der vorgab von Literatur etwas zu verstehen und dabei in Konventionalität erstickte? Eher schon George, der dahinten auf der zweiten base ziemlich ungeduldig auf und ab ging. George ist ein feiner Kerl, etwas unruhig für sein Alter, aber er hat ein Gespür für Absurdität. Vielleicht muss man das als Maler haben.
Tim blickte wieder auf Liz, die sich zum zweiten Schlag bereit machte. Sie legte den Schläger an und fixierte ihn. Er überlegte, wie er es anstellte, dass sie den Ball traf. Sie musste ihn ja nur treffen. Er hasste es, wenn man sich über sie lustig machte, wie diese fette Ross, der feist im Gras lag und wahrscheinlich kluge Sprüche klopfte.

George schaute über das Gelände und fragte sich, wann es endlich weiterging. Seit diese blonde Freundin von Tim am Schlagen war, bewegte sich nichts mehr. George konnte es nicht ausstehen, zu warten. Das Leben schien ihm zu kurz dafür. Er hatte keine Zeit zum Warten, er war schon alt im Vergleich zu den anderen, Mitte fünfzig. Seit er mit 15 fast an Tuberkulose gestorben wäre, hatte er das Gefühl, die ihm verbleibende Zeit nutzen zu müssen. Sein ganzes Schaffen, sein immenses Werk, das ihm sogar seine übelgesonnensten Kritiker bescheinigten, war unter Zeitdruck entstanden. Heute bemühte er sich zwar, seine Ungeduld zu zügeln, zumindest sich nicht anmerken zu lassen, aber die Aura eines Gehetzten klebte an ihm wie Teer und Federn. Aber mittlerweile machte es ihm nichts mehr aus, denn niemand erkannte den eigentlichen Grund dafür, seine Angst vor dem Tod. Diejenigen, die sich überhaupt einen Gedanken darüber machten, schrieben es seiner Homosexualität zu, als bedeute schwul zu sein, an einer Art nervösem Juckreiz zu leiden. Die Ironie daran, dass der Faktor Zeit eigentlich für niemanden so unwichtig war wie für einen Schwulen, hatte ihn schon ein ums andere Mal amüsiert.
George kniff die Augen zusammen, um zu erkennen, warum es so lange dauerte. Diese dünne Freundin von Tim stellte sich aber auch ungeschickt an. Na, sie wird andere Qualitäten haben, schreibt sie nicht sogar Kolumnen für den New Yorker? Ein bisschen hysterisch wirkt sie ja. Na, Tim wird wissen, was er tut, obwohl so eine Macherin wie die Kalifornierin wahrscheinlich besser für ihn wäre. Unweigerlich amüsierte ihn die Vorstellung, dass die agile Sam und der lethargische Tim ein Paar sein könnten. Einen Moment lang zog ein Schmunzeln über sein vertrocknetes Gesicht, doch als er sah, dass Liz sich zum Schlag anschickte, wich es augenblicklich einem gespannten Spähen.
Sam hatte bemerkt, dass der erste Schlag von Liz daneben ging. Das weckte ihre Neugier. Mal sehen wie sich das Püppchen jetzt verhält. Sie konnte sich nicht verkneifen ihr zuzurufen: "Gib ihm Saures. Zeig ihm, wer der Kerl ist!"
Liz erschrak und blickte sich zu ihr um. Genervt sagte sie: "Klar doch, was denkst Du"
Ross mischte sich ein mit den Worten: "Ihr Emanzen glaubt wohl ihr könnt auch auf dem heiligen männlichen Felde des Baseballs obsiegen. Mitnichten meine Lieben, jenen Knüppel weiß nur ein Mann zu schwingen ".
Sam kannte diese geschwollenen Reden des Dicken zur genüge. Auf die Anzüglichkeit einzugehen erschien ihr unter ihrer Würde. Sie beschloss, beredt zu schweigen, obwohl es sie ärgerte, dass er von anderen für diese Plattheit sichtlich bewundert wurde. Vor allem dieser Schönling aus Atlanta dort auf der ersten base, von wo aus er wohl gerade noch alles mithören konnte, schien angetan von dieser Art von Humor zu sein. Nun ja, ein Südstaatler, rückständige Rassisten sind eben zumeist auch Machos.

Bob, dem dieser Vorwurf galt, hatte nicht mehr verbrochen als dass er kurz aufgelacht hatte. Es stimmte, er bewunderte Ross Elington, er hatte sein Buch gelesen und er war Student in seinem Seminar. Nicht, dass ihm das Buch besonders gefallen hätte. Er verehrte seinen Professor in erster Linie deswegen, weil er der erste Schriftsteller war, den er persönlich kennen gelernt hatte. Er war neu in diesem Kreis und auch noch nicht lange in der Stadt. Geradezu gierig schnappte er alles auf, was ihm als intellektuell und geistreich erschien. Es kostete ihn Kraft, ständig aufmerksam zu sein, sich den Habitus seiner Vorbilder einzuprägen, ihre Marotten zu verstehen, von ihnen zu lernen. Diese permanente Angestrengtheit entlud sich manchmal blitzartig, wie durch dieses kurze Auflachen. Im gleichen Augenblick war es ihm bereits peinlich, denn er wollte nicht auffallen, noch nicht. Denn bisher hatte er noch nichts Eigenständiges vollbracht, weder eine herausragende Leistung noch einen besonderen Spleen, der ihn interessant machte. Sein größter Wunsch, oder sein Ziel wie er es formulierte, war es, einen Bestseller zu schreiben. Aber er wäre im Moment auch schon zufrieden, wenn er als so geistreich wie Sam gelten würde. Dass sie diesen Ruf hatte, hatte er mitbekommen, wenngleich er ihn nicht so recht nachvollziehen konnte. Sie wirkte auf ihn eigentlich nur aggressiv und zickig. Dagegen war Liz schon angenehmer, wenn sie auch nicht durch besonderen Witz auffiel. Aber ihre Zartheit machte sie in seinen Augen schön und gütig, die beiden Tugenden, die er als die wichtigsten bei einer Frau ansah. Bei ihm zu Hause, in Atlanta, waren die Mädchen, die er kannte entweder schrill und peinlich, - anders als Sam zwar, aber nicht minder unangenehm -, oder sie waren stockbieder. Liz schien ihm anders zu sein, kompliziert und filigran. Den Vorfall gestern hatte auch er mitbekommen. Er hatte gerade in der Küche seinen Teller mit Kartoffelsalat, Spargel und Frankfurters gefüllt, er hatte einen guten Appetit und sich mittlerweile an die wenig raffinierte Küche der Yankees gewöhnt, als er hörte, dass sich im Nebenraum jemand stritt. Bis dahin war nur das übliche Partygemurmel abwechselnd untermalt mit etwas Mozart oder Weill zu hören gewesen. Sogleich war ihm aufgefallen, dass die zunehmende Aufgeregtheit der Streitenden eine merkwürdig beklemmende Stimmung unter den Gästen verbreitete. Auch ihm selbst war das ganze sofort unangenehm und er suchte mit den Augen unwillkürlich in dem Raum nach der Gastgeberin. Er hatte nicht genau hören können, um was es ging, aber es klang nicht gut. Die sonst so ausgeglichene Liz war den Tränen nahe und dem sonst so ruhigen, ja introvertierten Tim, einem begnadeten Dichter, wie ihm mal jemand gesagt hatte, war die Zornesröte in den Kopf gestiegen. Sie sei eine Heuchlerin, naiv bigott, oberflächlich moralistisch, totalitär und ähnliches warf er ihr an den Kopf. Die ganze Szene erschien ihm bizarr, insbesondere auch deshalb, weil sie so abrupt endete. Als nämlich Sam erschienen war, hatte sie kurzerhand Tim aus dem Raum komplimentiert, was dieser ohne Widerstand geschehen ließ. Liz war noch für einen Moment sichtlich nach Fassung ringend auf einem Stuhl sitzen geblieben, dann war sie aufgestanden und geradewegs zu einer Gruppe von Gästen am anderen Ende des Raumes gegangen, wo sie sich sogleich ins Gespräch eingemischt hatte. Ein paar Minuten hatte sich Bob tatsächlich gefragt, ob die beiden der Gesellschaft etwas vorgespielt hatten, aber da niemand auf die Angelegenheit zu sprechen gekommen war, hatte auch er nichts dazu gesagt.
Selbst jetzt konnte er sich keinen Reim auf die beiden machen. Sie schienen ihm ins Spiel eingebunden zu sein und doch machten sie den Eindruck als seien sie ganz woanders. Der dürre Tim, dem man gar nicht zutrauen würde, dass er das Spiel beherrscht, hatte eben durchaus geschickt, aber dennoch erkennbar, den Ball so geworfen, dass es wirklich nicht schwer war, ihn zu treffen. Offensichtlich wollte er es Liz leicht machen. Gut, sie hat nicht getroffen, aber warum sah sie jetzt noch grimmiger zu ihm als zuvor. Das war doch ein feiner Zug von ihm?

George beobachtete den jungen Südstaatler. Bob gefiel ihm, nicht nur äußerlich. Zugegeben, er sah gut aus, ziemlich kräftig und groß. Aber es war mehr diese aparte Mischung aus Unverbrauchtheit und Ernsthaftigkeit, die ihn faszinierte. Gerade in diesem Moment hatte Bob wieder diese gedankenschwere Miene aufgesetzt, die ihm bei George schon den Namen "der Grübler" eingebracht hatte. Natürlich war es eine rein sexuelle Neugier, so gut kannte sich der Maler. Zum Modell taugte Bob nicht, ihm fehlte dazu einiges, die Nase war zu klein, zu amerikanisch, die Unterarme waren zu muskulös. Wenn ich jünger wäre, würde ich mich an ihn ranmachen, dachte George. Seine homosexuellen Gelüste kamen nur noch selten, er nahm sie im Grunde nicht mehr ernst. Nur gelegentlich, etwa an solch einem sonnigen Nachmittag, an einem so verkommenen Platz wie hier in Brooklyn, streifte ihn noch dieses Gefühl der Wollust, dieser Spaß an der Verführung. Früher war er mal gut darin gewesen. Er hatte nicht diese nervige allumfassend verständige Schwulenmasche praktiziert, sondern war eher spaßig, locker vorgegangen. Aber heute..
Liz Schlag unterbrach ihn in seinen Gedanken. Selbst auf diese Distanz konnte er erkennen, dass sie eine gehörige Portion Kraft in ihn gesteckt hatte. Doch ohne Erfolg. Der Ball kam wieder relativ langsam, etwas mehr mittig als der erste Wurf. Sie hatte wohl weiter rechts mit ihm gerechnet. Im letzten Moment versuchte sie noch durch das Anwinkeln des Holzes den Ball wenigstens abtropfen zu lassen, aber es war vergebens. In einem Wutanfall schmiss sie den Schläger auf die Erde und brüllte "Shit!"

Durch diesen Ausbruch aufmerksam geworden, kamen einige Jugendliche, Schwarze, wahrscheinlich aus dieser Gegend an den Spielfeldrand und postierten sich in der Art, wie es nur Schwarze konnten, lässig - cool, ohne ein Zeichen von Aufregung aber mit gekonnt zur Schau gestellter Arroganz. Ihre Mimik zeugte von verachtender Amüsiertheit über die unsportlichen Weißen. Ihre durchtrainierten Körper, ihre Nike und Addidas-Klamotten und ihre geschmeidigen Bewegungen bildeten in der Tat einen gewaltigen Kontrast zu den Spielern, von denen die meisten in zusammen gewürfeltem Outfit und ungelenken, eckigen Körperstellungen ziemlich fehl am Platze wirkten.

Roy auf der dritten base wusste das und er fühlte die gleiche Verachtung für seine Mitspieler wie seine Brüder am Spielfeldrand. In solchen Momenten bereute er es bei diesen sonntäglichen Softball spielen mitzumachen. Doch als guter Freund von Sam konnte er schlecht nein sagen. Aber dass sich diese weißen Mittelklasse-Möchtegern-Intellektuellen auch ausgerechnet diese Gegend von Brooklyn dafür aussuchen mussten, wurmte ihn. Zugegeben im Village gab es keine so großen Plätze und der Weg zu Fuß über die Brooklynbridge hatte seinen besonderen Reiz. Aber es zeugte in seinen Augen für wenig Gespür, in diesem district seine Freizeit zu verbringen, wo man als Privilegierter galt und als Provokation. Aber davon hatten diese blauäugigen Spinner ja keine Ahnung. Die wussten nicht was es in diesem Land, ja in dieser Stadt bedeutete, schwarz zu sein. Die hatten sich nicht aus diesem Viertel hocharbeiten müssen zum Anwalt einer der fünfzig größten Kanzleien der Stadt, so wie er. Diese Weicheier hatten keine Ahnung was es bedeutete, das ganze Leben zu kämpfen. Diese degenerierten Maulhelden bildeten sich etwas auf ihre Aufgeklärtheit und Liberalität ein. Wahrscheinlich hatten sie ihn deswegen dabei, als Alibi-Schwarzen. Allen außer Sam traute er dies ernsthaft zu. In diesem Moment bemerkte er, dass Sam zu ihm rüberschaute, als wolle sie fragen, ob sie in Gefahr seien. Er ignorierte ihren Blick. Er zeigte ihm, dass auch sie ihn in erster Linie als Schwarzen ansah.
Seine Abneigung gegen jeden einzelnen von diesen weißen wimps konnte er nur mühsam unterdrücken. Dieser Columbia-Prof, fett und senil, diese Schwuchtel, die sich Künstler nannte und auf jugendlich tat, ein paar Studenten aus gutem Hause, die alles dran setzten interessant zu wirken und dann dieses Paar, das uns mit seiner Schau gestern schon den Abend fast versaut hatte und jetzt möglicherweise noch Schlimmeres bescherte. Die Frage, ob man seine Tochter vergewaltigte oder erschoss, konnte nur einem kranken unterforderten Hirn entstammen. Sie sollten diese Frage mal einem der Typen hier stellen, die gaben ihnen bestimmt praktische Tipps. Etwa der Art" Hey Mann, das ist doch ganz einfach. Du tust natürlich so, als würdest Du auf den Irren eingehen, klar. Wenn Du Dich über Deine Tochter beugst, kapierst Du - dann sagst Du Du brauchst mehr Licht, er soll mal ran kommen und Dir leuchten. Wenn er nah genug dran ist, dann haust Du ihn um und nimmst seine Waffe. Und dann Mann, dann machst Du ne Party, klar. Dann steckst Du dem Irren die Knarre erst mal in den Arsch und drückst ab, dass ihm der Darm platzt, und dann ..." Die Vorstellung gefiel Roy, was würden diese liberalen Bürger wohl dazu sagen. Oh Oh, Selbstjustiz- aber das macht man doch nicht, auweia, Todesstrafe, das geht doch nicht. Vergiss es....

Sam sah die heranrückenden Schwarzen ebenfalls mit einem unguten Gefühl. Sie blickte hilfesuchend zu Roy, doch der reagierte nicht. Im nächsten Moment regte sie sich über Liz auf. Jetzt konnte sich dieses Zuckerpüppchen noch nicht mal beherrschen. Zu verlieren ist eine Sache, aber ein schlechter Verlierer zu sein war in ihren Augen schlimmer.
Sie sah, dass Ross Anstalten machte zu Liz zu gehen, wahrscheinlich um Punkte bei ihr zu machen. Dieser Teddybär versuchts wohl auf die väterliche Tour. Na, wahrscheinlich ist das bei Liz genau die richtige Masche. Nanu, unschlüssig alter Mann?
Ross war sitzen geblieben, Liz hatte sich offensichtlich gefangen, denn sie hob den Schläger auf, drehte sich zu der Gruppe um Ross und Sam um und rief. "OK, OK, das ist das irische Blut in mir." Und mit einem gekonnten Lächeln fügte sie hinzu:" Irgendjemand verletzt...?".

Das hatte sie verdammt viel Kraft gekostet, aber sie war froh, dass sie es geschafft hatte. Nein, diese Idioten sollten sie nicht noch einmal außer Fassung sehen, selbst wenn sie auch beim dritten Schlag versagte. Erst jetzt sah sie die Schwarzen am Spielfeldrand, wunderte sich kurz, dachte im nächsten Moment wieder nur daran wie sie in dieser Lage noch eine passable Figur machen konnte. Sollte sie versuchen, sich noch mal zusammen zu nehmen und zu konzentrieren oder sich "einen geordneten Rückzug" einfallen lassen. Bei "geordneter Rückzug" musste sie an Tim denken, von ihm hatte sie diese Wendung das erste Mal gehört und sie gefiel ihr. Sie blickte zu Tim hinüber, hilfesuchend. Sie wollte ihm zurufen "Was soll ich jetzt tun?" Da erkannte sie, dass auch er litt. Sie sah es ihm an, an der Art wie er stand, nach vorne gebeugt, zu ihr gewandt, suchend nach einem Zeichen von ihr. Seine Körperhaltung verriet, dass er ihr helfen wollte, dass er sich Sorgen um sie machte. Plötzlich begriff sie. Er litt nicht um seinet-, sondern um ihretwillen.
Ihr Hals schnürte sich zu. Dieser Dummkopf, sah er nicht, dass sie beide zum Gespött der anderen geworden waren. Er sollte Härte zeigen, einfach den Ball mit voller Wucht werfen, ihnen zeigen, welche Kraft in ihm steckte. Sie hatte doch schon längst verloren. Sam verachtete sie, Ross wollte sie nur benutzen, George fand sie bestimmt zu billig für seinen Freund Tim, dieser schwarze Anwalt konnte sie sowieso nicht leiden und auf die anderen kam es sowieso nicht an. Was für ein Dummkopf Tim doch war. Sie wusste genau wie er sich jetzt fühlte. Erst das schlechte Gewissen wegen gestern Abend und jetzt war er auch noch verantwortlich für ihre prekäre Lage hier. Warf er zu hart, hatte sie keine Chance und es sah nach einer Fortsetzung des gestrigen Streits aus. Warf er weich und sie traf trotzdem nicht, war sie blamiert und er fühlte sich schuldig. Warf er daneben, sah es nach übertriebener Rücksichtnahme aus und er blamierte sie beide.
Ihre Augen wurden feucht. Er tat ihr leid. Dahinten stand er alleine, in einer Zwickmühle, die nur er und sie begriffen. Sie konnte seinen Gesichtsausdruck auf die Distanz nicht erkennen, aber sie fühlte sich ihm auf einmal sehr nah.

Tim fühlte sich tatsächlich unwohl. Ihm war klar, dass er Liz nicht offen schonen durfte, damit würde er ihr einen Bärendienst erweisen, vor den anderen und vor sich selbst. Er kannte ihr fast zwanghaftes Geltungsbedürfnis. Aber er wollte sie auch nicht betrügen. Er wollte ehrlich zu ihr sein. Ihm wurde schlagartig klar, dass er Angst um sie hatte. Wo sollte dies alles hinführen? Sie war in seinen Augen das was er gut nennen würde. Sie war gut, denn all ihre Berechung, all ihr Taktieren erfolgte in Notwehr. Sie fühlte sich verloren, wie er. Sie beide gaben es sich selbst gegenüber zu, jeder auf seine Art, aber keiner von ihnen hatte es bisher gewagt, seine Verlorenheit auch dem anderen gegenüber zu offenbaren. In dem Moment als ihm dieser Gedanke kam, fühlte er sich ihr schlagartig sehr verbunden. Plötzlich fiel ihm eine Szene aus ihrem Italienurlaub ein. Er raste mit ihr auf einer Vespa durch den dicksten Verkehr von Rom, sie auf der Bank hinter ihm, sich fest an ihn klammernd. Gerade waren sie im Begriff in einer Kurve an einen kleinen Lieferwagen, der Kisten mit Gemüse geladen hatte vorbeizuziehen, als dieser in voller Fahrt eine der voll gestopften Kisten verlor, die mit einem lauten Knall auf die Fahrbahn aufschlug. Der Fahrer des Wagens hatte seinen Verlust nicht bemerkt und fuhr weiter. Tim hatte es noch vor Augen wie Liz, als sie auf gleicher Höhe mit dem Lieferwagen waren, wild gestikulierend auf Englisch zurief: "Ihre Gurken, Sie haben ihre Gurken verloren" und der Mann verständnislos aber freundlich zurückwinkte. In jenem Augenblick war sie für ihn das wunderbarste Geschöpf auf Erden. In jenem Moment liebte er sie heiß und innig, aber sie war ihm nichts desto trotz fremd gewesen. Jetzt, hier an diesem schäbigen Ort, dem verruchtesten Teil von Brooklyn mit ihren enttäuschenden Freunden war das anders.
Er suchte ihre Augen, konnte sie nur ahnen und doch hatte er das Gefühl, ihre Blicke würden sich treffen. "Komm Elizabeth, wir schaffen es gemeinsam. Es ist egal, nach diesem Schlag gehen wir nach Hause und es ist gut." Er wog den Ball in seiner Hand, ein griffiges Stück Leder, das seine Finger gerade umfassen konnten.

Liz stand bereit. Sie fühlte sich sicher. Es war ihr egal, ob sie den Ball treffen würde. Auch das Urteil von Sam, Ross, George, Steven und all den anderen war ihr egal. Das einzige was ihr nicht egal war, war Tim. Sie würde nach dem Wurf zu ihm gehen. Der Wurf war reine Formsache. Sie würde zu ihm gehen und ihm sagen, dass er sich keine Sorgen machen sollte, dass sie zusammen gehörten. Sie konnte es kaum erwarten, ihm das zu sagen. "Wirf Timothy, lass es uns hinter uns bringen, wir haben anderes vor."
Er holte mit dem Arm nach hinten aus. Dann schnellte sein ganzer Körper nach vorne. Der Ball verließ die Hand, - er war schnell aber nicht so schnell, dass man ihn nicht erkennen konnte. In einem schwachen makellosen Bogen zog er auf Liz zu, die unbewegt - wie eine Statur, den Schlagstock mit beiden Händen am Griff seitlich hinter ihrem Kopf hielt. Fast schien es als würde sie ewig so stehen bleiben. Da zog sie unvermittelt und mit einer verblüffenden Geschwindigkeit den Schläger hinter ihrem Kopf hervor. Ein sattes hölzernes Klacken hallte über den Platz, während die Bahn des Rückfluges bereits keinen Zweifel mehr ließ. Volltreffer! Wie an einer Schnur gezogen schoss der Punkt über das Spielfeld hinaus auf die Ränge zu. Dort landete das Geschoß mit einem lauten hellen Krachen auf einer der oberen Sitzreihen. Die Zuschauer waren begeistert. Sam stieß einen kreischenden Schrei aus, Ross klatschte wild in die Hände, Bob grölte hemmungslos, in der Ferne machte George Beifalls-Gesten mit den Armen, selbst Roy rief anerkennend "Guter Schuss!".

Während die anderen noch weiter den Schlag kommentierten, gingen Liz und Tim aufeinander zu. Als sie sich gegenüber standen sagte Tim lächelnd: "Du hast einen Homerun".
"Wir haben einen Homerun", erwiderte Liz und fiel ihm um den Hals. Nach einer Weile flüsterte sie ihm ins Ohr: "Laß uns gehen."


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