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Kurzromane
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... Horizont begann sich doch schon rot zu färben. Blutrot. Bald würden die ersten Sonnenstrahlen nach ihr lecken.
Doch ihr Gleichgewichtssinn machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Alles um sie herum schien sich zu drehen. Sie fand nirgends Halt, schrie und stürzte in die unergründliche, finstere Tiefe. Schnell! Sehr schnell. Der dämliche, pechschwarze Boden kam immer näher. Viel zu schnell! Überall waren Flammen. Dann war es so weit! Ihr Schrei gellte, heiß, gleißend, schallend durch die unendliche Nacht und verklang.
...
Schweißgebadet saß Lena in ihrem Bett. Ihr Herz raste. Der Atem stach in der Lunge. Im ganzen Raum war ihr rasselndes Keuchen zu hören. Mund und Augen weit aufgerissen, vom Schock gelähmt. Automatisch tastete sie neben sich. Gott sei Dank, er war hier, er saß direkt neben ihr. Jetzt legte er einen Arm um ihre Schulter und zog sie an sich. „Ist ja gut, Lena, es war nur ein Traum.“ -
Sie schluchzte, konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. „Ich möchte, dass das aufhört, Ben!“ -
Dieser strich ihr zärtlich über den Kopf. „War es wieder...“ -
Lena nickte. -
Er drückte sie fest an sich. „Irgendwann wird es aufhören, irgendwann, wenn du dich wieder an alles erinnern und die Wahrheit kennen wirst.“ -
Lena blickte an ihrem Körper hinunter. Sah jede einzelne der verheilenden Narben auf ihrer Haut. „Was würde ich nur ohne dich machen? So viele Male... Wie soll ich dir für diesen Trost danken? Jedes Mal!“ -
Ben winkte ab. „Du hast mich schon oft genug aus meinem eigenen Alptraum zurückgeholt. Das ist dann wohl das Mindeste, was ich auch für dich tun kann.“ -
Lena nickte wissend. Dann sah sie ihn an. Seine Schulter wies noch immer einige Deformationen auf. Sie zog ihn an sich und küsste seine Narbe. „Ich liebe dich auch, Benjamin.“
Nachwort
An das, was in dieser verhängnisvollen Nacht, ihrer ersten gemeinsamen, vor über einem Jahr tatsächlich geschehen war, konnte sich keiner von beiden mehr präzise erinnern. Nur Fragmente drangen immer wieder alptraumhaft verzerrt bis an die Oberfläche des Bewusstseins.
Mit jeder vergangenen Nacht verschwammen die Ereignisse mehr zum Surrealen. Aber vielleicht war auch das ein natürlicher Schutzmechanismus des ...
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©Anthony Tinamis
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